Die Schweiz gilt als einer der weltweit führenden Standorte für Drohnentechnologie – doch ausgerechnet das Testen neuer Fluggeräte ist hierzulande schwierig. Ein neuer Verein will das ändern: Das Alpine Drone Consortium mit Hauptsitz in Altdorf UR plant, in den Alpen spezielle Flugzonen für Drohnentests einzurichten.
Alpines Gelände als ultimativer Härtetest
Hinter dem Konsortium stehen die Kantone Uri, Graubünden und Tessin sowie Drohnenhersteller, Hochschulen und Wirtschaftsvertreter. Die Initiative geht auf das Netzwerk Innovationstransfer Zentralschweiz (ITZ) zurück. Die Idee dahinter ist simpel: Wer es schafft, in den Alpen sicher zu fliegen – mit Wind, Wetter und steilem Terrain – der schafft es überall.
Der Kanton Uri bietet dafür ideale Voraussetzungen: gut erschlossen, aber dünn besiedelt, und topografisch so anspruchsvoll, wie es für Drohnenentwickler nur sein kann. Das Konsortium will dabei selbst keine Testflüge durchführen, sondern die Infrastruktur schaffen und der Industrie zugänglich machen.
Vom Lawinenmonitoring bis zur Stromleitung
Die Einsatzgebiete im alpinen Raum sind vielfältig: Überwachung von Strommasten und Wasserkraftwerken, Beurteilung von Murgangrisiken oder professionelle Drohneninspektionen, wie sie international immer wichtiger werden. Auch das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF ist mit an Bord – und nutzt Drohnen bereits produktiv.
«Für uns haben Drohnen die Arbeit revolutioniert», sagt Yves Bühler, Leiter der Gruppe alpine Fernerkundung beim SLF. Bergstürze in steilen Felswänden vermessen, Schneehöhen grossflächig erfassen oder künstliche Lawinenauslösung testen – all das sei heute dank Drohnen möglich.
Strenge Regulierung als Bremsklotz
Doch genau hier liegt das Problem: Die Vorgaben des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) für Testflüge sind restriktiv. Fluggenehmigungen zu erhalten, ist für Hersteller zeitaufwendig und schwierig – besonders wenn verschiedene Betreiber mit unterschiedlichen Drohnentypen im selben Gebiet fliegen wollen.
Das BAZL begrüsst die Initiative zwar grundsätzlich, nennt das Projekt aber «ambitioniert». Die heutigen rechtlichen Grundlagen seien eher auf einzelne, spezifische Anwendungen ausgelegt – nicht auf breite Testzonen mit vielen Nutzern.
Schweiz will Drohnen-Vorreiterrolle behalten
Die Schweiz hat sich in den letzten Jahren als «Drone Valley» einen Namen gemacht. Unternehmen wie DJI, Wingtra und diverse ETH-Spinoffs haben den Standort geprägt. Doch die internationale Konkurrenz schläft nicht – Länder wie die USA und Südkorea investieren massiv in Testinfrastrukturen.
Das Alpine Drone Consortium könnte ein entscheidender Baustein sein, damit die Schweiz in der Drohnentechnologie nicht nur forscht, sondern auch testet und produziert. Ob die regulatorischen Hürden gemeistert werden können, wird sich zeigen – aber die Richtung stimmt.