Die europäische Raumfahrt hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Die Ariane 6 ist erstmals in ihrer stärksten Konfiguration mit vier Boostern gestartet. Die Mission VA267 hob am Donnerstag vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab und brachte 32 Satelliten für Amazons Leo-Netzwerk (ehemals Project Kuiper) in den niedrigen Erdorbit, wie Arianespace bestätigte.
Doppelte Kapazität dank vier Boostern
Die Ariane 64 unterscheidet sich von der bisher eingesetzten Ariane 62 durch vier statt zwei P120C-Feststoffbooster. Das verdoppelt die Nutzlastkapazität für den niedrigen Erdorbit auf rund 20 Tonnen. Die Rakete ist 62 Meter hoch, wiegt beim Start 860 Tonnen und nutzte erstmals die lange Nutzlastverkleidung mit 20 Metern Höhe.
Amazons Antwort auf Starlink
Der Start markiert den Auftakt einer Serie von insgesamt 18 vertraglich vereinbarten Missionen für Amazon Leo. Das Satellitennetzwerk soll weltweit schnelles Internet bereitstellen und konkurriert direkt mit SpaceX‚ Starlink. Amazon steht allerdings unter Zeitdruck: Laut FCC-Lizenzvorgaben müsste bis Ende Juli 2026 die Hälfte der geplanten 3232 Satelliten im Orbit sein. Das Ziel scheint kaum erreichbar, weshalb Amazon eine Fristverlängerung beantragt und zusätzlich Starts mit der Falcon 9 gebucht hat.
Europas Unabhängigkeit im All
Für Europa ist dieser Flug mehr als ein kommerzieller Erfolg. Nach den Krisenjahren, in denen der Kontinent zeitweise keinen eigenen Zugang zum Weltraum hatte, verfügt die ESA nun wieder über eine vollständige Raketenflotte. Die wiederzündbare Vinci-Oberstufe demonstrierte bei dieser Mission ein komplexes Aussetzmanöver und entsorgte sich anschliessend kontrolliert in der Atmosphäre.
Ob die Ariane 6 langfristig gegen SpaceX bestehen kann, bleibt die grosse Frage. Die Rakete ist nicht wiederverwendbar, während SpaceX routinemässig Booster landet. Immerhin: Für die Zukunft sind leistungsstärkere P160C-Booster geplant, die 14 Tonnen mehr Treibstoff tragen. Europa investiert, aber die Konkurrenz schläft nicht.