Spotify-Co-CEO: Unsere besten Entwickler schreiben keinen Code mehr

Kevin Kyburz
14. Februar 2026
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Eine Aussage von Spotify-Co-CEO Gustav Söderström sorgt für Diskussionen in der Tech-Branche: «Wenn ich mit meinen erfahrensten Ingenieuren spreche, den besten Entwicklern, die wir hatten, sagen sie, dass sie seit Dezember keine einzige Zeile Code mehr geschrieben haben. Sie generieren nur noch Code und überwachen ihn.» Das sagte Söderström in der Analystenkonferenz zu Spotifys Q4-Zahlen.

Vom Spieler zum Trainer

Bei Spotify übernimmt KI inzwischen die aktive Programmierung, während erfahrene Entwickler in eine Steuerungsrolle wechseln – vergleichbar mit einem Fussballtrainer, der nicht mehr selbst spielt, sondern die Strategie vorgibt und das Spiel lenkt. Die Entwickler setzen Prioritäten, geben Feedback und beurteilen die Qualität des KI-generierten Codes.

Spotify nutzt dafür ein intern entwickeltes System namens «Honk», das auf Claude Code von Anthropic basiert. Entwickler können per Slack vom Smartphone aus Änderungen an der App beauftragen – sei es ein Bugfix oder ein neues Feature. Das Ergebnis kommt als Testversion zurück, und der Entwickler gibt der KI solange Feedback, bis der gewünschte Reifegrad erreicht ist.

Jahre der Vorbereitung

Der Erfolg kommt nicht über Nacht. Spotify hat seit 2020 mit «Backstage» ein internes Portal aufgebaut, das als zentrale Dokumentation für den gesamten Code dient. Ab 2022 folgte «Fleet Management» – ein Framework, das Code-Änderungen über hunderte Repositories gleichzeitig durchführen kann. Die Integration von Claude Code kam erst im Juli 2025. Ohne diese Vorarbeit wäre der KI-Agent deutlich weniger effektiv.

Erst der Anfang – und was es bedeutet

Söderström sieht den aktuellen Stand «nicht als Ende der Entwicklung bei KI, sondern erst als Anfang». Laut einer Deloitte-Studie nutzen erst 11 Prozent der Organisationen agentenbasierte KI produktiv – Spotify gehört damit zu einer kleinen Elite.

Die Kehrseite bleibt unausgesprochen, liegt aber auf der Hand: Wenn erfahrene Entwickler nur noch steuern statt selbst zu coden, wozu braucht es dann noch Nachwuchskräfte, die das Handwerk von der Pike auf lernen? Auch OpenAIs neues Codex-Spark-Modell zeigt die Richtung: KI-Coding wird schneller, billiger und besser. Für Junior-Entwickler wird der Berufseinstieg schwieriger – die Erfahrung, die man zum Steuern der KI braucht, kann man sich schwer aneignen, wenn man nie selbst programmiert hat.

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Kevin Kyburz

Geschrieben von Kevin Kyburz

Kevin Kyburz ist seit einem Jahrzehnt als Blogger unterwegs und darf seine Meinung zu aktuellen Tech-Themen auch mal im Radio oder in Tageszeitungen unterbringen. Als ehemaliger Kolumnist für eine grosse Pendlerzeitung hat er ein Gespür für technische Fragen von Lesern entwickelt und versucht diese so gut wie möglich zu klären. Wenn er nicht gerade mit Technik beschäftigt ist, widmet er sich der Natur und der Fotografie.

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