Techgarage

Das iPad Pro 2018 im Langzeittest

by Kevin Kyburz 14. März 2019

Im letzten Oktober hatte Apple sein neues iPad Pro präsentiert: Neues Design, neuer Apple Pencil und mehr Leistung als manch ein ausgewachsener Laptop. Nachdem wir es nun seit letztem Herbst im täglichen Gebrauch haben, lest ihr hier, was das neue iPad Pro alles kann und wie es mit seinen Funktionen im Alltag überzeugt.

Wir schrieben das Jahr 2010: Steve Jobs präsentiert das erste iPad und ich denke: «Wow – so eines brauche ich“. Mein damaliger Testbericht über das erste Apple-Tablet fiel zwar insgesamt positiv aus, doch das Fazit lautete: «Da kommt hoffentlich bald noch mehr».

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Gut acht Jahre später darf ich feststellen, dass das iPad tatsächlich um einiges nützlicher geworden ist – denn mittlerweile wissen sowohl App-Hersteller als auch die Nutzer besser, was sie mit so einem Tablet eigentlich anstellen sollen.

Dazu reicht ein Blick in meine unmittelbare Umgebung: Wenn ich mir anschaue, wie mein Vater das iPad heute nutzt, sieht es aus, als sei Apple auf dem richtigen Weg. Sein MacBook Pro fristet nun seit Jahren ein Dasein als überteuerte Harddisk für seine Foto-Backups und als Bindeglied, um über iCloud die Bilder dann auf das iPad zu übertragen. Für den Alltagsgebrauch ist ihm der Laptop zu umständlich und schwer. Mit dem iPad hingegen kann er mittlerweile auch ganz easy Flüge und Hotels buchen – und zwischendrin auch mal eine Runde «Candy Crush» spielen.

Doch damit genug über das iPad-Nutzerverhalten meiner Familie – Nun folgt das nerdige Review aus meiner eigenen Perspektive:

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iPad Pro 2018 with Keyboard

Design – Bekannt und doch neu

Wer sich an das erste iPad erinnert, weiss, wie kantig das Tablet damals in der Hand lag – und eigentlich sind wir mit dem iPad Pro 2018 auch genau wieder dort angelangt. Damals wusste man es vielleicht einfach noch nicht besser, aber heute ist so ein Design modern und ich finde, es passt ganz gut und gibt dem iPad den «let’s do it»-Look.

Beim Rand hat Apple gespart und das Display damit noch grösser gemacht. Somit ist der Bildschirm der neuen iPads zwar grösser als ihre Vorgänger, jedoch das Gerät selber kleiner.

Einen «Fun Fact» zur neuen Rückseite hab ich übrigens noch, denn dort sollen anscheinend 102 Magnete verbaut sein, damit das Cover auch anständig am iPad haften bleibt. Doch die Haftfähigkeit beschränkt sich nicht nur aufs Cover: Bei meinem (eindeutig nerdigen) Test lässt sich das iPad auch als grosser Kühlschrankmagnet nutzen – ein Segen für alle, die ihren Kühlschrank endlich mit einem Tablet upgraden möchten.

Technik – Neuer Chip und FaceID

Wie gewohnt hat Apple wieder jede Menge neuer Chips verbaut, darunter den A12X-Prozessor, wodurch beim Performance-Test einmal mehr Spitzenwerte erreicht werden. Der Geekbench Test zeigt sogar, dass das iPad Pro 2018 fast so leistungsstark ist wie ein MacBook Pro 2018.

geekbench ipad pro macbook pro

Beim 2018 Modell hat man zudem auf TouchID verzichtet und stattdessen FaceID – die Apple-eigene Gesichtserkennung – eingebaut. Für mich ein logischer Schritt, wenn man die Entwicklung vom iPhone X und XS anschaut. Und weil das iPad Pro so symmetrisch ist, dass man kaum erkennt, wo oben und unten ist, hat Apple die Gesichtserkennung so programmiert, dass es keine Rolle spielt, wie herum man das iPad hält. Und mittlerweile wurde iOS auch dahingehend optimiert, dass sich das Tablet nun in jeder Ausrichtung bedienen lässt, wenn es denn die gerade genutzte App auch zulässt.

Neben den neuen A12X Prozessor wurde endlich ein USB-C Anschluss verbaut, was für das iPad Pro definitiv ein Gewinn ist.

iPad Pro 2018 USB C

Apple Pencil 2 – Endlich in Cool

Ich bin ja leider kein grosser Künstler, doch auf dem iPad mache ich mir tatsächlich gerne Notizen mit dem Stift statt per Tastatur. In der Vergangenheit plagten mich mit meinem Apple Pencil nämlich zwei Dinge: Zum einen war sein Akku immer leer, und zum anderen war er immer irgendwo, nur nicht da, wo er sein sollte: Nämlich beim iPad. Gut – dafür gab’s ja die Ledermappe mit Stifthalterung, doch das löste auch nicht alle Probleme.

In der jetzigen Neuauflage lässt sich der Apple Pencil direkt magnetisch am iPad anheften, wird dadurch auch gleich drahtlos aufgeladen – und ist so auch immer für seinen Einsatz bereit.

iPad Pro 2018 magnet Apple Pencil 2

Neu regiert der clevere Stift auf Touch-Berührungen: So lässt sich durch zweimaliges Tippen auf den Stift zwischen zwei Funktionen wechseln. In einigen Zeichenprogrammen bedeutet dies Beispielsweise einen Wechsel zwischen Stift und digitalem Radiergummi. Und das Beste daran: Die App-Entwickler können die Funktionen fix belegen oder aber den Nutzer frei entscheiden lassen, zwischen welchen Funktionen er hin- und herwechseln möchte.

Das iPad Pro im Alltag

Für mich als Liebhaber meines 15-Zoll-MacBook lohnt sich das iPad Pro schon nur jeden Tag beim Pendeln. Es ist mit dem Smart Keyboard und dem Smart Connector schnell bereit, um arbeiten zu können. In meinem Fall schreibe ich meine Texte direkt immer in ein Google Doc. So ist zum Beispiel auch dieses Review entstanden: Im Flugzeug auf dem Weg nach London. Das iPad Pro ist um einiges handlicher als ein MacBook und auch der Akku hält angenehm lange durch. Ich muss zugeben: Jedes Mal, wenn es in die Ferien geht, überlege ich lange, was ich denn nun mitnehmen soll. Klar: Das iPad Pro ist fürs Schreiben und Lesen besonders geeignet – Doch kann es auch bei den komplexen und leistungsintensiven Aufgaben mithalten, die mein treues MacBook jeweils für mich stemmt?

iPad Pro 2018 Apple Pencil 2

Ich habe es dann tatsächlich gewagt und zwei Wochen lang ausschliesslich mit dem Apple Tablet gearbeitet. Das bedeutet: Schreiben, Publizieren und Bilder bearbeiten, die ich mit der Sony Alpha R7 II, der Drohne DJI Mavic Pro, dem iPhone XS oder dem Huawei Mate 20 Pro aufgenommen habe.

Mein Setup für Arbeiten von unterwegs

Da ich es mir als Blogger gewohnt bin, von unterwegs zu arbeiten, oder auch mal auf dem dem iPhone etwas zu erledigen, setze ich stark auf Cloud-Dienste. Bilder und Videos liegen grösstenteils auf der Dropbox und Dokumente sowie das ganze Management der «Techgarage» auf dem Google Drive. Somit arbeite ich mit fünf Apps – zusätzlich zu den beiden vorhin genannten auch noch Google Docs, Google Sheets und Google Slides. Für die Bildbearbeitung übertrage ich meine Bilder von anderen Apple-Geräten über AirDrop, von anderen Smartphones über die Dropbox und von der Drohne oder meiner Kamera über das SD-Kartenlesegerät, das ich über den neuen USB-C-Port direkt an das iPad anschliessen kann.

Bildbearbeitung mit dem iPad Pro

Auf dem MacBook Pro kommen bei mir Lightroom und Photoshop zum Einsatz. Persönlich finde ich Lightroom bestens für das iPad umgesetzt – was ich von Photoshop nicht ganz behaupten kann, weshalb ich hierfür «Pixelmator» als Ersatz nutze. Vom gleichen Hersteller teste ich derzeit übrigens auch «Pixelmator Photo» welches sich noch momentan noch in der Beta-Phase befindet. Bei dieser App handelt es sich um eine Art schlankes «Lightroom», das zudem noch maschinelles Lernen nutzt, um Bilder automatisch besser bearbeiten zu können. Dazu folgt aber bald noch ein eigener Beitrag, bei dem ich die App im Detail erklären werde.

Fazit – Das beste Tablet, um den Laptop zu ersetzen

Apple schafft es von Jahr zu Jahr, sein iPad Pro zu verbessern. Nicht nur die Hardware selbst, sondern auch die Art und Weise, wie sich die Arbeit immer mehr komplett auf dem Gerät erledigen lässt. Sobald man seinen Arbeitsablauf mit Apps und Cloud Services eingerichtet hat, lässt sich praktisch alles auf dem Tablet erledigen. Mir gefällt das Design und das Upgrade vom Apple Pencil 2 sehr – schade ist nur, dass man es nicht wie beim vorherigen Modell geschafft hat, eine Lederhülle zu entwickeln, wo iPad und Stift reinpassen. Denn so gut die magnetische Halterung zwar ist: Der Stift reisst sich unweigerlich vom Tablet los, sobald man beides zusammen in eine Tasche packt.

Das iPad Pro gehört mit seinem Startpreis von knapp 900 Franken oder 890 Euro sicher nicht in die günstigste Kategorie von tragbaren Gadgets – jedoch bekommt man für sein Geld ein Tablet, das es mit den hauseigenen Laptops in Sachen Technik und Performance aufnehmen kann.

Und nach meinem Selbstversuch ertappe ich mich selber dabei, wie ich in meinem Arbeitsalltag immer öfter auf mein MacBook Pro verzichte und dafür auf das iPad Pro zurückgreife.

Kevin Kyburz

Kevin Kyburz

Kevin Kyburz gehört zu der Generation Y, welche mit einem Windows 95 Computer und der ersten PlayStation aufgewachsen sind. Seit seiner Entdeckung des Internets gibt es keine Grenzen mehr.

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1 Kommentar

  1. 1 month ago

    Hallo,..
    Klasse geschrieben – und wie ich schon im Netz …bisher noch belächelt – als Prognose mitgeteilt habe auch auf t3n zb…Apple wird das iPad – nach und nach …als Rechnerersatz weiterentwickeln; So bin ich weniger verwundert ,dass es jetzt schon sogst klapptLustig daran :
    „ dieses Jahr soll es ein neuer Mac werden und gerade heute habe ich mich kurz vor lesen das Textes …in Überlegungen verloren…ob es noch ein MbPro sein muss – oder iMac oder ein iPadPro …
    Es geht voran und Zack ist Apple dann mittel bis langfristig erstmal wieder vorne – wie einst mit dem iPhone; Das wird mir im Moment klar…
    Zuletzt … war ich mehr auf die sehr unterschätzte Watch fixiert..mit der noch mehr möglich werden wird – als viele das annehmen möchten ; So hatte ich gerade die Sorge : „ oha ..dann wird Apple ja noch weniger Rechner verkaufen…
    Dazu aber eben auch dann mehr iPads , watch und nicht zuletzt zu den Diensten … erstmal noch iPhones – zu den neuen Diensten…
    Lediglich mit Deiner Wahl- wenn ich das mal so sagen darf : Huawei 20 Pro das für mich … nicht mal genügend einem iPhone 7 das Wasser reichen kann …bin ich nicht dafür..
    Warum : Lies mal macmark.de zu Android …dazu gibt es einiges neben dem Design , was mir nicht gefällt und auch nicht bei Samsung …

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