iPod-Comeback: Warum die Gen Z wieder MP3-Player kauft

Kevin Kyburz
23. Februar 2026
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Vinyl, Kassetten, analoge Kameras – und jetzt iPods. Apples längst eingestellte MP3-Player erleben ein überraschendes Revival. Vor allem jüngere Menschen greifen wieder zum iPod Classic oder Nano, um sich eine bewusste Auszeit vom Smartphone-Alltag zu gönnen.

Die Zahlen sprechen für sich

Laut einer Analyse von Axios sind die eBay-Suchanfragen für den iPod Classic um 25 Prozent und für den iPod Nano um 20 Prozent gestiegen – zwischen Januar und Oktober 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch Google Trends zeigt ein deutliches Wachstum des Suchinteresses, obwohl Apple die gesamte iPod-Linie bereits 2022 eingestellt hat.

Digitale Entgiftung mit Click Wheel

Der Reiz liegt im «Single-Purpose»-Prinzip, wie Cal Newport, Informatikprofessor und Autor von «Digital Minimalism», erklärt: «Alles, was man mit einem iPod tun kann, ist Musik hören.» Smartphones bündeln dagegen Nachrichten, Social Media, News und Streaming in einem Gerät – was es fast unmöglich mache, die eigene Technologienutzung konsistent zu kontrollieren.

Für viele iPod-Käufer geht es um genau das: bewusst Musik hören, ohne in andere Apps abzurutschen. «Manchmal will ich einfach rausgehen, spazieren und Musik hören – aber nicht 20 Benachrichtigungen bekommen», erzählt eine Nutzerin gegenüber Axios.

Nostalgie trifft auf Zukunftsangst

Neben der digitalen Entgiftung spielt auch Nostalgie eine Rolle. Viele junge Erwachsene sind mit iPods aufgewachsen und verbinden damit eine vermeintlich einfachere Zeit. «Die Gen Z erlebt gerade viel Unsicherheit, und es fällt uns schwer, Hoffnung in die Zukunft zu haben», sagt eine Nutzerin. «Also klammern wir uns an Dinge, die uns in der Vergangenheit Freude gebracht haben.»

Das Phänomen fügt sich in einen grösseren Trend ein, den Marktforscher als «Friction-Maxxing» bezeichnen: Jüngere Menschen suchen bewusst nach weniger nahtlosen, dafür bedeutungsvolleren Erfahrungen. Statt einer algorithmisch generierten Playlist manuell Songs auf einen iPod laden – der Aufwand ist Teil des Reizes.

iPod als Schlupfloch in der Schule

Ein kurioser Nebeneffekt: In Schulen mit striktem Handyverbot dienen iPods als willkommenes Schlupfloch. Ohne Internet, ohne Apps, ohne Ablenkungspotenzial – aber mit Musik. Für Schüler die perfekte Lösung, für Lehrkräfte ein neues Dilemma.

Ein Trend mit Grenzen

Trotz des Revivals bleibt Musik-Streaming die klar dominante Nutzungsform. Mit rund 450 Millionen verkauften iPods insgesamt und einer endlichen Zahl funktionierender Gebrauchtgeräte hat der Trend ein natürliches Limit. Doch als Symbol für einen bewussteren Umgang mit Technologie trifft der iPod offensichtlich einen Nerv – fast vier Jahre nach seinem offiziellen Ende.

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Kevin Kyburz

Geschrieben von Kevin Kyburz

Kevin Kyburz ist seit einem Jahrzehnt als Blogger unterwegs und darf seine Meinung zu aktuellen Tech-Themen auch mal im Radio oder in Tageszeitungen unterbringen. Als ehemaliger Kolumnist für eine grosse Pendlerzeitung hat er ein Gespür für technische Fragen von Lesern entwickelt und versucht diese so gut wie möglich zu klären. Wenn er nicht gerade mit Technik beschäftigt ist, widmet er sich der Natur und der Fotografie.

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