FlyTrap: Ein Regenschirm reicht, um autonome Drohnen abzufangen

Kevin Kyburz
28. Februar 2026
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Forscher der University of California, Irvine haben eine kritische Sicherheitslücke in autonomen Drohnen entdeckt: Ein gewöhnlicher Regenschirm mit einem speziell generierten Muster reicht aus, um Drohnen von DJI und HoverAir anzulocken, einzufangen oder zum Absturz zu bringen.

Wie funktioniert der FlyTrap-Angriff?

Der Trick ist so einfach wie genial: Das KI-gesteuerte Tracking-System der Drohne interpretiert das aufgedruckte Muster auf dem Regenschirm als eine Person, die sich entfernt. Um den vermeintlichen Abstand zu halten, fliegt die Drohne immer näher an den Schirmträger heran — bis sie mit einem Netz gefangen oder zum Absturz gebracht werden kann.

Die Forscher nennen das einen «Distance-Pulling-Angriff». Anders als bisherige Störmethoden, die nur das Tracking unterbrechen, ermöglicht FlyTrap die physische Übernahme der Drohne. Das System funktioniert rein lokal, ohne Funkverbindung oder externe Signale — man klappt einfach einen Regenschirm auf.

Welche Drohnen sind betroffen?

Die Forscher haben den Angriff erfolgreich an drei kommerziellen Drohnen getestet:

  • DJI Mini 4 Pro — der meistverkaufte Kompakt-Drohne
  • DJI Neo — die neue Selfie-Drohne
  • HoverAir X1 — beliebt bei Content Creators

Alle drei nutzen kamerabasiertes «Active Track» oder «Dynamic Track» — KI-gestützte Funktionen, die zunehmend auch bei Grenzschutz, Sicherheitsüberwachung und Polizeieinsätzen zum Einsatz kommen. Die Schwachstellen wurden den Herstellern DJI und HoverAir verantwortungsvoll gemeldet.

Warum ist das relevant?

Die Implikationen sind weitreichend. Kriminelle könnten sich mit einem 20-Franken-Regenschirm der Überwachung durch Polizeidrohnen entziehen. Grenzpatrouillen-Drohnen liessen sich austricksen. Auf der anderen Seite könnten Stalking-Opfer die Methode nutzen, um eine belästigende Drohne unschädlich zu machen.

«Wenn es so einfach ist, eine autonome Drohne zu übernehmen, sollte man deren Einsatz in kritischen Sicherheits- und Strafverfolgungsszenarien überdenken», warnt Erstautor Shaoyuan Xie. Die Studie wurde diese Woche auf dem renommierten Network and Distributed System Security Symposium (NDSS) in San Diego vorgestellt.

Drohnen im Aufwind

Die Studie trifft einen Nerv — gerade in der Schweiz, wo die Drohnenindustrie boomt. Wie wir kürzlich berichteten, will Uri zum Testlabor für die Schweizer Drohnenindustrie werden. Wenn autonome Tracking-Systeme derart einfach ausgehebelt werden können, stellt sich die Frage, wie sicher der geplante Einsatz von Drohnen für Rettungsmissionen und Infrastrukturüberwachung wirklich ist. Die Schweizer Drohnen-Regulierung durch das BAZL dürfte solche Schwachstellen bei der Zulassung künftig stärker berücksichtigen müssen.

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Kevin Kyburz

Geschrieben von Kevin Kyburz

Kevin Kyburz ist seit einem Jahrzehnt als Blogger unterwegs und darf seine Meinung zu aktuellen Tech-Themen auch mal im Radio oder in Tageszeitungen unterbringen. Als ehemaliger Kolumnist für eine grosse Pendlerzeitung hat er ein Gespür für technische Fragen von Lesern entwickelt und versucht diese so gut wie möglich zu klären. Wenn er nicht gerade mit Technik beschäftigt ist, widmet er sich der Natur und der Fotografie.

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