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Nokia 9 im Test – Warum 5 Kameras vielleicht 3 zu viel sind

by Kevin Kyburz 14. Juni 2019

Ich kenne niemanden, der früher kein Nokia Handy hatte. Sie waren robust und in der Bedienbarkeit so einfach wie ein iPhone heute. Nach dem Sturz von Nokia hat es HMD Global tatsächlich als Start-up geschafft Nokia zu altem Ruhm zu verhelfen.

HMD hat mit dem Nokia 7 oder dem Nokia 8 tolle Smartphones auf den Markt gebracht, welche es Qualitativ mit einigen Top Modellen der Konkurrenz aufnehmen können.

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Mit dem Nokia 9, welches HMD am Mobile World Congress in Barcelona im Februar präsentiert hat, möchte man nun mit den 5 Kameras versucht, sich auf gleiche Ebene wie mit dem Huawei P30 Pro und Samsung Galaxy S10 zu begeben. Seit rund einem Monat darf ich das Nokia 9 nun testen und sage euch, weshalb Nokia lieber Simple bleiben sollte.

Design – Einfach mit Glas

Das Nokia 9 liegt wie schon seine Vorgänger sehr gut in der Hand. Es besteht praktisch nur aus Glas und einem Metallrahmen. Das Smartphone ist sehr leicht, was es leider etwas billig wirken lässt, auch wenn das Auge etwas anderes sieht. Auf der Rückseite finden wir die berüchtigten 5 Kameras, welche in einem Kreis mit Blitz und einen ToF Sensor angeordnet sind. Trotz Gesichtserkennung finden wir beim Nokia 9 keine Notch am oberen Ende des 6-Zoll Displays, was ich eigentlich noch schön finde. Neben Gesichtserkennung bietet das Nokia 9 noch einen Fingerscanner unter dem Display an, dazu aber später mehr.

Hardware – Da würde mehr gehen

Da Nokia seit Anbeginn mit einem reinen Android System von Google arbeitet, benötigt es im Normalfall eigentlich keine 8 oder gar 12 GB RAM wie bei Huawei oder Samsung, die ihre eigene Bedienoberfläche und Funktionen noch draufhauen, wodurch die 6GB eigentlich ausreichen sollten.

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Leider hat HMD beim Nokia 9 nur einen Snapdragon 845 eingesetzt, statt den neueren 855 zu nehmen, was an und für sich kein Problem wäre, hätte man nicht 5 Kameras und einen Fingerabdruckscanner unter dem Display eingebaut. Beides läuft relativ langsam und wirkt dadurch etwas unausgereift.

Das Nokia 9 lässt seinen 3320 mAh Akku einfach per USB-C oder Wireless Charging aufladen. Intern besitzt das Nokia 9 einen 128 GB Speicher, welcher sich nicht erweitern lässt.

Nokia 9 Back Camera Overview

Kamera – Der Wille zählt

Das Nokia 9 fällt kameratechnisch definitiv auf. In einem Kreis finden wir 5 x 12 Megapixel (Weitwinkel davon 2x RGB + 3x Monochrome) Kameras welche jede eigens eine Aufgabe erfüllt beim Schiessen eines Bildes. Dadurch lassen sich zum Beispiel Bilder erstellen, welche so viel Details haben, wie kein anderes Smartphone Bild. Nachträglich kann der Nutzer sogar den Fokuspunkt ändern. Die Idee dahinter gefällt mir sehr gut, leider ist die Software so langsam, dass es mir nach 2 Bildern schon gar keinen Spass mehr macht. Hinzukommt, dass ich diese gewaltige Bildpower nicht auf dem Display wahrnehmen kann, sondern erst auf dem MacBook oder iPad Pro beim Bearbeiten.

Wenn ich bei Nokia einen Wunsch frei hätte, würde ich mir zudem wünschen, einzelne Kamera Funktion deaktivieren zu können um zb. bei einem Event ganz “einfache” Bilder machen zu können, dafür schneller.

Wer seine Bilder übrigens direkt auf dem Nokia 9 bearbeiten möchte, dem empfehle ich die Lighroom zu installieren. Mit dem neusten Update verständigen sich Lighroom und die Kamera Einstellungen, wodurch Verkrümmungen der Linsen raus genommen werden.

Nokia 9 Fingerscann Front

Fazit – Es gibt besser Nokia Smartphones

Auch wenn die Idee mit den 5 Kameras gar nicht so schlecht ist, wirkt das System für mich noch sehr unausgereift. Konkurrenten wie Huawei mit dem P30 Pro machen meiner Meinung nach super Bilder mit nur 3 Linsen, die zwar kein Bild mit vielen Tiefeninformationen zusammenfügen doch dafür mit Schnelligkeit und Bild Verarbeitung punktet.

Das Gerät selber gefällt mir vom Design her gut, auch wenn es vom Gewicht her billig wirkt. Der Fingerscanner ist leider sehr langsam, weshalb ich darauf verzichten würde. Der Akku haltet gut einen Tag und wie gewohnt von HMD Nokia gibt es Android Software Updates praktisch live zu dem Zeitpunkt wo Google sie publiziert.

Mein Tipp: Mit dem Nokia 9 lieber noch etwas warten und hoffen, das HMD in Zusammenarbeit mit Zeiss ein weiteres Gerät mit 5 Linsen auf den Markt bringt, welches aber mehr Pixel und eine bessere Software bringt.

Für alle, welche nicht so viel Wert auf die Kamera legen, ist es selbstverständlich ein tolles Gerät, wobei diese Personen aber definitiv auch mit einem Nokia 7 oder Nokia 8 sehr zufrieden sein werden.

Preis und Verfügbarkeit

Das Nokia 9 gibt es bereits ab CHF 649/ 534 Euro im Handel zu kaufen.

Kevin Kyburz

Kevin Kyburz

Kevin Kyburz gehört zu der Generation Y, welche mit einem Windows 95 Computer und der ersten PlayStation aufgewachsen sind. Seit seiner Entdeckung des Internets gibt es keine Grenzen mehr.

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