Techgarage

Ein erster Blick auf Huaweis Android Q-Update mit EMUI 10

by Pascal Landolt 13. August 2019

Unter all dem Hype um HarmonyOS, das Huawei an seiner Developer Conference (HDC) jüngst vorgestellt hat, geht manchmal unter, dass Android für den Smartphone-Hersteller noch immer von zentraler Bedeutung ist. Und Huawei bestätigt bei jeder Gelegenheit, wie viel ihnen an der Partnerschaft mit Google / Android gelegen ist. Deshalb lanciert der chinesische Tech-Konzern bald schon Android Q mit eigener EMUI 10-Oberfläche für seine bestehenden Smartphones.

Aktuelle Smartphones von Huawei laufen nach wie vor auf dem Android–Betriebssystem von Google, worauf die Chinesen noch eine eigene grafische Oberfläche – einen sogenannten Launcher – legen. Dies dient vor allem der Unterscheidung der eigenen Marke von der Konkurrenz – auch Samsung, Xiaomi und andere Hersteller installieren auf ihren Smartphones solche Launcher. Bei Huawei heisst diese Oberfläche «Emotion UI» oder eben EMUI 10 und wir konnten an der HDC einen ersten Eindruck davon erhalten.

Was ist neu bei EMUI 10?

Auffallend ist, dass die neue Huawei-Oberfläche viele Designelemente von Apples iOS übernimmt: Ein grosszügiges Magazin-Design mit viel Weissflächen und bunten Icons. Der Fokus von Huawei liegt bei EMUI 10 auf den Farben blau und weiss, welche konsequent mit Pastellfarben ergänzt werden. Der Fokus liege auf guter Lesbarkeit der Inhalten und einer einfachen Bedienbarkeit, wie Yumin Mao, Vorsitzende der Huawei-Softwareabteilung an der Vorstellung von EMUI 10 erklärte. Die Überarbeitung der Benutzeroberfläche schlägt sich sogar in Details nieder: Die Icons wurden beispielsweise nach den Proportionen des goldenen Schnitts neu gestaltet. Zwei Highlights des Updates sind jedoch der Dark Mode und die neuen Animationen:


Dark Mode

«Dark Modes» sind der letzte Schrei: Die Funktion invertiert die Farben auf dem Bildschirm, um ein angenehmeres Nutzergefühl zu bieten – besonders in dunklen Umgebungen. Apple hat in iOS13 einen Dark Mode eingeführt und auch Techgarage zeigt sich auf Wunsch auf einer dunklen Seite.

Huawei passt auf seiner neuen Benutzeroberfläche Kontraste und Farben nun so an, um seinen Dark Mode fürs menschliche Auge so angenehm wie möglich zu designen. Diesen Design-Entscheidungen seien ausführliche Tests und Studien vorausgegangen.

Dieser Dark Mode wird von Anfang an auch für Apps von Drittherstellern zur Verfügung stehen, auch wenn diese nicht explizit für einen «Dark Mode» optimiert sind. In diesen Fällen wird EMUI die Farben nach Gutdünken Farbfläche für Farbfläche anpassen.

Huawei EMUI 10 HDC 2019 Hands-On Techgarage

Die Veränderungen stecken im Detail: EMUI 10 auf Android Q sieht vertraut aus, bietet aber einige «Quality of Life»-Verbesserungen.

Animationen

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Ebenfalls bei ihren Nachforschungen ist den UI-Experten von Huawei aufgefallen, dass es fürs Öffnen und Schliessen von Apps einen «Sweetspot» gibt, der bei der Bedienung eines Smartphones als optimal angesehen wird. Zwischen 300 und 400 Millisekunden (ms) wird dabei von den meisten Nutzern als angenehm empfunden. Kürzer, und die Interaktion wirkt abrupt – länger, und das Handy fühlt sich langsam an.

Bei der Transition zwischen zwei Screens sind 400 ms laut Huawei-Forschungen optimal. Deshalb wird das Öffnen von neuen Seiten oder das Wechseln zwischen Seiten von EMUI 10 jetzt in dieser Zeitdauer angelegt.

Diese Anpassungen in der Reaktionszeit zwischen einem Fingertipp des Nutzers und der Reaktion des Smartphones kommen beispielsweise beim Scrollen durch Fotos, beim Wischen zwischen Seiten oder beim öffnen einer App zum Zuge. Das System unterscheidet dabei, ob der Nutzer ein Foto oder einen ganzen Block anwählt oder wie gross die angetippte Schaltfläche ist und passt die Reaktionszeit darauf an. Kleine Blöcke öffnen sich schneller, während bei grösseren Manipulationen auch zusätzlich etwas Trägheit eingebaut wird, um dem Nutzer ein Gefühl von substanzieller Interaktion zu geben.

Wer damit nicht einverstanden ist, dass Huawei bestimmt, wie schnell oder langsam sich eine App öffnen oder zwischen Bildschirmen wechseln lässt, kann einen Launcher eines Drittherstellers installieren. Dazu etwas weiter unten noch mehr Information.

HarmonyOS soll aussehen wie EMUI 10

Huawei-Fans gewöhnen sich allerdings besser relativ schnell an EMUI 10. Sollte es zwischen dem chinesischen Tech-Hersteller und Google zum entgültigen Bruch kommen, werden künftige Huawei–Smartphones wohl mit HarmonyOS ausgeliefert. Und laut der Aussage von Software-Chef Dr. Wang Chenglu an der HDC, wird das Huawei-eigene Betriebssystem sich vom «Look and Feel» her stark an die EMUI 10-Oberfläche auf Android anlehnen. So werde eine nahtlose Nutzererfahrung für Huawei-Kunden garantiert, so Dr. Wang weiter.

Welche Huawei-Modelle erhalten das Update auf Android Q?

Ab 8. September wird ein grosses Update mit Android Q auf folgende Huawei–Smartphones ausgerollt:

  • Huawei Mate 20
  • Huawei Mate 20 Pro
  • Huawei Mate 20 Porsche Design
  • Huawei Mate 20 Lite
  • Huawei Mate 20 X
  • Huawei Mate 20 X (5G)
  • Huawei Mate 10
  • Huawei Mate 10 Pro
  • Huawei Mate 10 Porsche Design
  • Huawei P20
  • Huawei P20 Pro
  • Huawei P Smart
  • Huawei P Smart+ 2019
  • Huawei P Smart Z
  • Honor 20
  • Honor 20 Pro
  • Honor 20 Lite
  • Honor View 20
  • Honor 10
  • Honor 10 Lite
  • Honor 8X

Eigene Launcher auf Android installieren

Nutzer von Android–Smartphones können auch ihre eigenen Launcher installieren, die auch von Drittherstellern angeboten werden. Damit lässt sich das Design-Diktat der Handyhersteller brechen. Populär in der Community sind beispielsweise der «Apex Launcher» oder der «Nova Launcher» – beides kostenlose Angebote, mit denen sich der «Look and Feel» des Smartphones nach eigenen Vorlieben anpassen lassen. So lassen sich über einen solchen Launcher beispielsweise einfach Icon-Packs installieren, mit denen die App-Icons auf dem Smartphone in neuem Glanz erstrahlen.

Auch Details wie die Transitionszeit beim Swipen zwischen zwei Homescreens oder der Verzögerung beim Öffnen einer App lassen sich auf die Millisekunde genau einstellen. Einen sogenannten «Root Access», der tief ins Android-System eindringt, brauchen diese Launcher nicht. Sie sind eher als kosmetische Hilfe zu verstehen und lassen sich auch jederzeit wieder deaktivieren. «Techgarage» nutzt Launcher beispielsweise, wenn wir zwei Smartphones auf einer Ebene miteinander vergleichen möchten. Ein Nachteil von Launchern: Sind oft nicht auf ein bestimmtes Smartphone optimiert – es könnte also sein, dass die Akku-Laufzeit etwas leidet.

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Pascal Landolt

Pascal Landolt

Pascal ist Tech-Enthusiast und begeisterter Storyteller – und als Mitgründer und Redaktor von Techgarage kann er diese beiden Passionen miteinander verknüpfen. Er lebt in Zug, aber eigentlich nennt er die ganze Welt sein Zuhause.

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