Wer gerne bei Temu, Shein oder anderen chinesischen Online-Händlern bestellt, muss sich auf höhere Kosten einstellen: Der EU-Rat hat am 11. Februar 2026 endgültig grünes Licht für eine Reform der Zollvorschriften gegeben. Das bedeutet das Ende der bisherigen Zollbefreiung für Kleinsendungen unter 150 Euro Warenwert.
Was ändert sich konkret?
Ab dem 1. Juli 2026 wird für Sendungen unter 150 Euro ein Pauschalzoll von 3 Euro erhoben. Wichtig dabei: Die Abgabe kann mehrfach anfallen, wenn ein Paket unterschiedliche Warenkategorien enthält. Wer also beispielsweise T-Shirts und Elektronik-Zubehör in einer Bestellung kombiniert, zahlt den Pauschalbetrag für jede Kategorie separat.
Diese Übergangsregelung gilt mindestens bis Mitte 2028. Danach soll eine neue zentrale EU-Zolldatenplattform starten, mit der die Pauschalen durch reguläre Zollsätze ersetzt werden – unabhängig vom Warenwert.
Warum kommt die Änderung jetzt?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2024 kamen rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen in der EU an, über 90 Prozent davon aus China. Seit 2022 hat sich die Zahl der Sendungen fast jährlich verdoppelt. Was einst als Entlastung für die Zollbehörden gedacht war, wurde angesichts der milliardenschweren Paketströme aus Fernost zum massiven Wettbewerbsnachteil für europäische Händler.
Denn während lokale Shops alle Abgaben und Regularien einhalten müssen, konnten Temu und Co. ihre Waren zollfrei an europäische Kunden verschicken – ein unfairer Vorteil, der jetzt korrigiert wird.
Was bedeutet das für Konsumenten?
Die Schnäppchenjagd bei chinesischen Plattformen wird weniger attraktiv. Bei einer typischen Bestellung von 20-30 Euro macht ein Zoll von 3 Euro (oder mehr bei mehreren Kategorien) einen spürbaren Unterschied. Hinzu könnten weitere Bearbeitungsgebühren kommen, um die hohen Kosten der Paketabwicklung zu decken – darüber wird derzeit noch diskutiert.
Gleichzeitig bedeutet die Änderung fairere Wettbewerbsbedingungen. Europäische Händler, die alle Vorschriften einhalten und lokale Steuern zahlen, standen bisher im Nachteil. Das dürfte sich nun angleichen.
Meine Einordnung
Der Schritt war überfällig. Die 150-Euro-Freigrenze stammte aus einer Zeit, als internationaler Online-Handel noch ein Nischenphänomen war. Dass Milliarden von Paketen pro Jahr zollfrei eingeführt werden konnten, während lokale Händler alle Abgaben schultern mussten, war schlicht nicht mehr zeitgemäss. Für Verbraucher wird es etwas teurer – aber der Preisunterschied zu lokalen Alternativen schrumpft, und das ist am Ende auch gut so.