Die russische Regierung hat am Donnerstag damit begonnen, den Zugriff auf WhatsApp im Land vollständig zu blockieren. Laut BBC bestätigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow den Schritt – Meta weigere sich, die russischen Gesetze einzuhalten.
WhatsApp selbst machte die Blockierung auf X publik und kritisierte das Vorgehen scharf: Der Versuch, über 100 Millionen Nutzer von privater und sicherer Kommunikation abzuschneiden, sei ein Rückschritt und mache die Menschen in Russland weniger sicher.
MAX statt WhatsApp: Kreml forciert Staatsmessenger
Das Ziel der Blockierung ist klar: Moskau will die Bevölkerung zur Nutzung des staatlich geförderten Messengers MAX drängen. Die App muss seit 2025 auf allen in Russland verkauften Smartphones vorinstalliert sein. Kritiker sehen in MAX ein Überwachungsinstrument, vergleichbar mit Chinas WeChat.
Kreml-Sprecher Peskow bezeichnete MAX als „verfügbare Alternative“ und stellte in Aussicht, dass WhatsApp wieder funktionieren könnte – falls Meta „die Gesetze einhält und zum Dialog bereit ist. Die staatliche Telekommunikationsaufsicht Roskomnadzor begründet die Sperre damit, dass WhatsApp für „terroristische Aktivitäten“ und Betrug missbraucht werde.
Auch Telegram und iMessage betroffen
WhatsApp ist nicht der einzige Messenger im Visier: Kurz zuvor hatte Russland bereits den Zugriff auf Telegram weiter eingeschränkt. Telegram-Gründer Pavel Durov kritisierte, der Staat wolle die Bürger zu einer „Überwachungs-App für politische Zensur“ zwingen. Auch Apples iMessage war bereits eingeschränkt.
Facebook und Instagram sind in Russland schon seit 2022 blockiert, als Meta als „extremistische Organisation“ eingestuft wurde. WhatsApp war bis jetzt die Ausnahme – Sprachanrufe funktionierten allerdings schon länger nur noch per VPN.
VPN als letzter Ausweg
Russische Nutzer können WhatsApp derzeit noch über VPN-Dienste erreichen. Wie lange das so bleibt, ist unklar – die Regierung entfernt zunehmend populäre Dienste aus dem staatlichen DNS-System. Neben WhatsApp sind laut der Bürgerrechtsorganisation Na Svyazi auch YouTube, die BBC und Deutsche Welle betroffen.
Die Abschottung des russischen Internets schreitet damit weiter voran. Für die über 100 Millionen WhatsApp-Nutzer im Land wird die Kommunikation mit der Aussenwelt deutlich schwieriger.