Sieht so das neue Apple iPhone XI aus? Hoffen wir es nicht!

Von Jahr zu Jahr wird auch Apple immer weniger von Leaks verschont, weshalb bereits seit Wochen Renderings vom neuen iPhone, welches gemäss Gerüchten auf den Namen „iPhone XI“ getauft wird, im Internet verbreitet sind. Vom Design her soll Apple im neuen iPhone XI nicht wahnsinnig viel verändert haben bis auf die Kamera. Neu soll auch Apple eine Triplecam erhalten, wie wir sie schon vom Huawei P30 Pro oder dem Samsung Galaxy S10 kennen. Leider hat Chefdesigner Jony Ive, aber wohl seine Brille vergessen, als er das Kamera Modul gestaltet hat, denn meiner Meinung nach sieht richtig schlecht aus. Versteht mich nicht falsch, ich mag das iPhone Ansicht und auch die Notch finde ich beim iPhone schöner als dieser Wassertropfen beim Huawei P30 Pro oder das Infitiny O Loch mitten im Bildschirm wie beim Samsung Galaxy S10+, doch hätte ich von Apple und Jony mehr erwartet beim Design der Kamera.
Apple iPhone XI Rendering Leaks Camera
Meine Hoffnung liegt nun darin, dass die Leaks und die Rendering sich nicht bewahrheiten, denn sonst wird es das iPhone XI meiner Meinung nach als hässlichstes iPhone der Geschichte eingehen und eines der ersten Geräte sein, welches nach einem ausführlichen Test direkt zurückgeschickt wird.
Übrigens soll das neue iPhone XI statt USB-C wie beim iPad Pro weiterhin einen Lightning Anschluss haben. Und wer sich schon auf 5G freut, muss bei Apple wohl noch bis 2020 warten.

30 Jahre «Game Boy»: Das Internet feiert die revolutionäre kleine Konsole

Am 21. April vor 30 Jahren kam in Japan der «Game Boy» von Nintendo auf den Markt. Damit setzte eine Entwicklung ein, die das Gamen unterwegs grundlegend verändern sollte. Und auch wenn Kids von heute wohl die Nase rümpfen würden über den Mini-Display mit zwei Farben und ohne Hintergrundbeleuchtung: Auch für die «Techgarage» wurden mit der «Keksdose» Erinnerungen für die Ewigkeit gemacht.
Als ich im Kindergarten war, hatten die anderen Kids teilweise schon einen Game Boy mit dem Hype-Spiel der Dekade (für uns damals) drauf: «Teenage Mutant Ninja Turtles». Ich, der in einem «Atari 2600»-Haushalt aufgewachsen war und dem eine portable Spielekonsole von den Eltern vorenthalten wurde (sie wussten schon, wieso), war fasziniert vom kleinen, grauen «Kästchen».
Das System mit den auswechselbaren Games war damals neu – viele damalige Handheld-Systeme setzten damals noch auf den «1 System, 1 Game»-Ansatz, wie bei Nintendos eigener «Game & Watch»-Reihe.

Die frühen Anfänge der «Techgarage»

Erst als ich 1998 mit meinen Eltern auf grosse Reise ging und uns unser Weg durch das Heimatland von Nintendo führte, gaben meine Eltern nach und legten einen Game Boy dahin, wo er hingehörte: In meine Hände. Vermutlich taten sie das auch aus Eigennutz, um den kleinen Pascal während der langen Flüge ruhig zu halten, aber alles was ich weiss, ist: Es war der Beginn einer wunderbaren Gamer-Karriere und gleichzeitig der Funke, der meine Leidenschaft für Japan entzündete. Mein erstes Game war «Super Mario Land 2: Six golden coins», und obwohl das Game auf japanisch war, hatte ich es noch vor Ende der Reise durchgespielt. 1998 war in Japan übrigens bereits der «Game Boy Light» erschienen: Eine kompaktere Variante mit besserem Bildschirm. Ich bestand allerdings auf dem Ur-Gameboy: Schliesslich wollte ich «genau das haben, was die anderen Kids auch haben». Zudem war der Ur-Game Boy damals noch in einer Auswahl von bunten Farben erhältlich.
Game Boy Light Pokemon Red
Um es kurz zu machen: Nicht nur für mich persönlich, sondern wohl für Millionen anderer Kids weltweit war der Game Boy wohl die erste eigene Konsole und erlaubte es uns, unterwegs oder zuhause in der (umfunktionierten) Bücherecke in andere Welten einzutauchen. Auch die Möglichkeit, über das «Game Link»-Kabel seine Taschenmonster aus «Pokémon Rot & Blau» mit Freunden zu tauschen, sorgte immer wieder für «Wow»-Momente. Die Zukunft war damit definitiv in unseren klebrigen, patschigen Händen angekommen.

Die schönsten «Game Boy»-Reminiszenzen im Internet

Umso schöner, wie sich auch die Redaktoren der grossen Tech-Magazine dieser Welt an diesem denkwürdigen Datum zurückerinnern. Die besten Ausflüge in die «Memory Lane» und die schönsten Retro-Reminiszenzen findet ihr hier:

Wie geht's weiter mit dem portablen Gaming?

Möglich, dass die Game Boy-Linie 2019 tatsächlich am Ende angekommen ist. Der letzte Game Boy, der «Game Boy Micro» erschien 2005, und auch sein spiritueller Nachfolger, der «Nintendo DS» scheint bei Nintendo auch aus der Gnade gefallen zu sein. Der Game-Konzern aus Kyoto, Japan setzt für seine aktuellen Fortsetzungen der Spieleserien, wie das bald erscheinende «Pokémon Sword & Shield» jedenfalls auf die Hybrid-Konsole «Switch».
Für mich als treuen Nintendo-Fan passt das – gibt mir die Switch doch die Möglichkeit, die Welten in den Games bei Bedarf auch auf dem grossen Fernseher zu erleben. Damit kann ich «Techgarage»-Kollege Kevin auch in «Super Smash Bros.» mal auf die Nase geben – er hat nämlich einen bedeutenden Start-Nachteil, da er erst beim «Game Boy Color» (ab Ende 1998) richtig ins portable Gaming eingestiegen ist.

Die Schweiz und 5G – Eine Entwicklung, die für Diskussionen sorgt

5G-Switzerland-Matterhorn

Ich mag mich noch gut daran erinnern, als der 5G-Hype offiziell losging: Das war am Mobile World Congress 2017 und jeder Mobilfunkhersteller wollte bei dieser Technologie der Zukunft führend sein. Entsprechend präsentierten sich unzählige Stände an der Messe, die sich gross «5G» auf die Flagge geschrieben hatten. Doch ausser dieser Versprechen und einigen Dummy-Geräten hinter Glas hatte kaum ein Hersteller etwas fassbares vorzuweisen.
Nur zwei Jahre später ist 5G in der Realität angekommen – Bis Ende 2019 soll in der Schweiz 90% der Bevölkerung durch den neuen Netzstandard abgedeckt sein. Und bereits im Mai lanciert Oppo mit dem «Reno 5G» das erste 5G-Fähige Smartphone in der Schweiz.

5G – o weh? «Techgarage» recherchiert

Doch mit der Euphorie um die neue Technologie werden auch kritische Stimmen und Diskussionen immer lauter. Die Wirkung von 5G sei noch unbekannt, titelt die «AZ», der «Schweizer Bauer» will keine Antennen in der Nähe der Ställe, während sich selbst die Kantone gespalten zeigen bei der Frage nach dem Bau weiterer Antennen.
Bei so viel Unsicherheit sind wir von der «Techgarage» es unseren Lesern schuldig, hier Licht ins Dunkel zu bringen. Wir wollen bewusst nicht auf den Angst-Zug aufspringen, sondern wollen genau wissen, was es mit 5G auf sich hat, ob und wie die neue Technologie gefährlich sein könnte und welchen Nutzen sie für die Bevölkerung hat. Unser Ziel ist, auf unserem Blog möglichst viel verlässliche Informationen zusammenzutragen und diverse Ansichten und Meinungen zur Sprache kommen zu lassen. Denn nur so lässt sich des Pudels Kern wirklich finden.
Dazu haben wir für unser erstes Feature zwei Spezialisten aus dem Bereich IT, Network & Innovation von Swisscom zu einem Interview getroffen: Klaus Liechti, Leiter des 5G-Programms beim Telekomanbieter, sowie Hugo Lehmann, Leiter Umwelt und Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV).

5G ist für die Zukunft da – nicht nur für mehr Geschwindigkeit

Wenn wir über 5G sprechen, denken die meisten Menschen als erstes über die höhere Geschwindigkeit für Datenübertragungen, die das neue Netz mit sich bringt. Das ist nicht falsch: Denn rein theoretisch könnte man auf dem Swisscom-Netz bereits dieses Jahr Daten mit 2 Gigabit pro Sekunde (2 GBit/s) übertragen. Dieser Spitzenwert wird jedoch nur dann erreicht, wenn eine Person die Antenne für sich selber nutzen könnte – was selten bis nie der Fall sein dürfte. Bei mehreren angebundenen Nutzern wird die Datenrate aufgeteilt.
Es wird unter den Anbietern angenommen, dass 5G für den Nutzer in der Praxis die doppelte Geschwindigkeit von 4G+, einer Weiterentwicklung von 4G, aufweisen wird.
Ein Praxisbeispiel: In Zürich im Kreis 2 – also im Innern der Stadt – erziele ich mit einem iPhone XS Max und einem unlimitierten Swisscom-Abo auf dem 4G+ Netz derzeit Download-Geschwindigkeiten von 117,6 MBit/s. Somit dürfte ich auf einem 5G-Netzwerk dann in etwa 235,2 MBit/s erwarten.

Was ist Latenz? Fast relevanter als reine Geschwindigkeit

Doch einer der grossen Vorteile, die 5G hat, ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Latenz. Damit ist die Zeit gemeint, die verstreicht, bis auf eine Anfrage meines Geräts eine Antwort des Netzes eintrifft. Hier gilt: Je tiefer die Latenzzeit, desto besser. Beim oben erwähnten Test auf 4G+ betrug die Latenzzeit 15 Millisekunden (ms), während diese mit 5G theoretisch auf 1 ms verbessert werden könnte.
Eine Verbesserung der Latenzzeit ebnet auch den Weg für das Internet der Dinge (IoT). Geräte und Anwendungen könnten so praktisch in Echtzeit über das Funknetz gesteuert werden. Solche Anwendungen sind momentan vor allem in Industrie und Medizin ein grosses Thema.
Ein zwar nicht alltägliches, dafür aber umso passenderes Beispiel hierfür ist die Steuerung eines Roboters. Möchten NASA-Mitarbeiter auf der Erde einen Roboter auf dem Mars einen Steuerbefehl senden, dauert es aufgrund der grossen Distanz rund 20 Minuten, bis dieser den Befehl empfangen hat. Und nochmal 20 Minuten dauert es, bis die Antwort vom Roboter kommt, dass er den Befehl erhalten hat. Die Latenzzeit beträgt in diesem Beispiel 40 Minuten und macht es so schwierig, zeitnah Korrekturen anzubringen.

Warum die Daten schnell fliessen müssen

Mit einer Datenverbindung über 5G wären dauerhafte Verbindungen unter diversen Geräten und Maschinen möglich. Dies würde es beispielsweise ermöglichen, den Autoverkehr zu optimieren und dabei sicherer zu machen. Wenn die Autos nicht nur untereinander kommunizieren, sondern auch mit einem Verkehrsleitsystem – wie einer Ampel – in Kontakt stehen, lassen sich Verkehrsflüsse dynamischer gestalten. Dies bedeutet weniger Staus, eine ökologischere Verkehrsführung und letzten Endes auch mehr Sicherheit für alle.
Mit der Anzahl an neuen Geräten, die wegen des IoT auf dieses Netz zugreifen, steigen auch die Anforderungen an Geschwindigkeit und Verlässlichkeit dieses Netzes enorm.
Gleichzeitig wird durch das neue Angebot aber auch die Anzahl an Geräten, die auf das Netz zugreifen werden, um das hundert- bis tausendfache erhöht. Hier bedeutet aber die höhere Datengeschwindigkeit, dass einzelne Geräte das Netz auch weniger lang in Anspruch nehmen müssen, bis sie ihren Daten-Download abgeschlossen haben.

Der Aufschrei bei der Einführung von 3G war fast so gross wie jetzt bei 5G

Wer weiss noch, wie es war, als 4G oder 3G aufgeschalten wurde? An 3G mögen sich sicher einige besser erinnern, denn wie Klaus Liechti anmerkt, war der Aufschrei in der Bevölkerung und in den Medien fast genauso gross wie nun aktuell bei 5G.
Dabei geht es den meisten Menschen gar nicht um die Technologie selber, sondern um die Strahlung, die davon ausgeht.
Und um uns dies zu erklären, kommt Hugo Lehmann ins Spiel: Er ist Leiter des «NIS Center» und in der Innovationsabteilung der Swisscom tätig. (NIS: nichtionisierende Strahlung: Radiowellen und Mikrowellen, sowie der grösste Teil des sichtbaren Lichtes)
Er zeigt mir anhand einer Zeichnung auf, welche Frequenzen wir derzeit in der Schweiz nutzen. Auf dem Spektrum aufgezeichnet sind nicht nur die bisherigen Mobilfunkfrequenzen oder die neuen 5G-Frequenzen, sondern die Frequenzen, über die Radio, GPS oder TV-Signale übertragen werden. Anhand seines Beispiels wird klar verdeutlicht, dass die jetzt bereits für 5G versteigerten Frequenzen zwischen anderen Bändern eingebettet sind, die bereits seit Jahren ohne erkennbare gesundheitliche Nebenwirkungen genutzt werden.
Frequenzen Schweiz 5G Swisscom

Könnten noch höhere Frequenzen zum Problem werden?

Um eine noch höhere Bandbreite von 20 GBit/s bis 30 GBit/s zu erreichen, müsste man für die Übertragung der Daten höhere Frequenzen im Bereich der Millimeterwellen (30 GHz bis 300 GHz) nutzen. Das Problem bei diesen Frequenzen ist jedoch, dass diese noch nicht genau durch Studien getestet wurden.
Und hier setzt auch die Kritik der meisten 5G-Skeptiker an: Nicht die bislang genutzten Frequenzen stehen im Zentrum der Frage, sondern die bislang noch eher unerforschten höheren Frequenzen.

Was befindet sich im Millimeterwellen-Spektrum?

Wenn wir vom Spektrum 30 GHz bis 300 GHz reden, müssen wir uns verdeutlichen, was darin stattfindet. Am unteren Ende dieses Spektrums befindet sich der Mikrowellen- oder Millimeterwellen-Bereich, mit dem auch Wi-Fi-Signale und Satellitenkommunikation operieren. Neuere WLAN-Router mit dem 802.11ad Standard funken beispielsweise mit 60 GHz, um Geschwindigkeiten im Gb/s-Bereich zu erreichen.
Die an vielen Flughäfen eingesetzten Körperscanner operieren ebenfalls in diesem Bereich, um durch Kleidung hindurch sehen zu können. Auch hier gab es einen Aufschrei und die Frage, ob dieser Scan gesundheitliche Gefährdungen mit sich bringen könnte. Die US-Amerikanische Transportsicherheitsbehörde antwortete darauf, die Strahlung sei weniger Stark als ein Signal eines Mobiltelefons und die Strahlenbelastung eines Scans weniger hoch als das Äquivalent von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe.
Festzuhalten bleibt, dass die 5G-Strahlung im «nicht-ionisierenden» Bereich angesiedelt ist, was auch bedeutet, dass die Strahlung Haut und Wände kaum zu durchdringen vermag. Das Mikrowellen-Spektrum wird von der menschlichen Haut absorbiert – was bei grosser Sendeleistung lediglich zu einer Erwärmung der Oberfläche führen kann.

Der Terahertz-Bereich von Wellen und die Biologie

Hier müssen wir verdeutlichen, dass bei den 5G-Frequenzen nur der Einsatz der Bänder von 30 GHz bis 300 GHz geplant ist. Alles darüber wird kaum für Kommunikationssignale verwendet. Trotzdem sei ein kurzer Exkurs in höher schwingende Sphären erlaubt (Quelle Lumenlearning.com):
Gehen wir weiter in Richtung 300 GHz, kommen wir bald schon ins Spektrum des sichtbaren Lichts. Infrarot-Licht befindet sich im Spektrum zwischen 300 GHz und 400 THz (Terahertz).
Der Bereich von 300 GHz bis 30 THz kann dabei für die Übertragung von Daten genutzt werden und wird beispielsweise in der Astronomie als «Sub-Millimeter»-Bereich bezeichnet.
Zwischen 30 THz und 120 THz sind die Frequenzen, die in der Chemie und in der Elektromagnetismus-Forschung die «Fingerabdruck»-Region genannt wird, weil Atome in ihren Molekülen hier auf diese Schwingung reagieren. Forscher nutzen dieses Spektrum, um die Zusammensetzung von Stoffen zu analysieren.
Darüber hinaus – in der Region von 120 THz und aufwärts Richtung 400 THz wird das Infrarot-Licht bald schon für Menschen sichtbar. Gewisse Tierarten, wie Frösche, Schlangen oder Fische, sind in der Lage, Infrarot-Licht bereits ab tieferen Frequenzen zu erkennen.
Die meisten Kameras in unseren Smartphones sind übrigens auch in der Lage, Infrarot-Frequenzen zu erkennen und abzubilden. Erleben kann man das beispielsweise, wenn man die Handy-Kamera auf die LED einer Fernbedienung richtet.
Um das ganze noch etwas bildlicher darzustellen, hier noch eine visuelle Stütze, aufgezeichnet von «DefenderShield»:
Electromagnetic Spectrum

Entscheid über tatsächlich genutzte Frequenzen im November 2019

Im November 2019 wird die ITU (Internationale Fernmeldeunion) jedenfalls für Europa bestimmen, welche Frequenzen in diesem Bereich für 5G genutzt werden. Bis diese in der Schweiz freigegeben respektive reguliert sind, soll es gemäss Hugo Lehmann noch drei bis vier weitere Jahre dauern.
Ein Problem, das einer schnellen Adaption im Weg stehen könnte, ist, dass die Swisscom gemäss ITU neben einer 99-prozentigen Verfügbarkeit auch eine Geschwindigkeit von 20 GBit/s erreichen muss, um 5G zertifiziert zu werden. Diese Vorgaben müssen erst noch erreicht werden.

War der Ausbau von Glasfaser ein Fehlentscheid?

«Mit solchen Geschwindigkeiten und Möglichkeiten braucht es doch eigentlich gar kein Glasfaser zu Hause», stellte sich mir dann auch die Frage, die ich von Klaus Liechti beantwortet haben wollte.
Der Experte meint dazu jedoch, dass 5G mit den Frequenzen, die für viel Geschwindigkeit sorgen, nicht so gut durch die Wände kommt. Damit wäre WLAN zu Hause noch immer die beste Wahl für die Datenübertragung.
Vielmehr ist das Glasfaser-Festnetz eine gute Ergänzung zur 5G-Datenübertragung. Nur dort, wo die Breitbandabdeckung im Festnetz aber zu wenig ausgebaut ist, wäre 5G eine gute Alternative.

6G voraussichtlich 2029

Nachdem ich einen Artikel zu 6G in China sah, brannte mir die Frage natürlich unter den Nägeln: Ab wann wird die Schweiz 6G haben? Klaus Liechti und auch Hugo Lehmann meinten dazu, dass es ungefähr 10 Jahre geht, bis 6G in die Schweiz kommt. Dies habe die Adaption von GSM – also 2G, dann 3G und auch 4G bereits gezeigt.
Gleichzeitig sei diese Entwicklung aber auch normal, denn wir würden bei 5G ja schliesslich nicht für immer und ewig bleiben. In naher Zukunft würdem man aber wie schon bei 4G+ eine 5G+ Variante aufschalten, bevor dann irgendwann 6G kommt.

Persönliches Fazit

5G ist ein Schritt, den wir gehen müssen. Skeptiker sehen in 5G derzeit noch viele Probleme und ungeklärte Fragen. Diese gibt es sicher – jedoch nicht in den Frequenzen, die wir 2019 zur Kommunikation nutzen werden. Im Millimeterwellen-Bereich muss geforscht werden und deshalb werden momentan auch Studien vorangetrieben, um herauszufinden, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Doch bis diese Studien abgeschlossen sind, macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, darüber zu streiten, wie sinnvoll 5G ist. Auch wenn ich kein Fan davon bin, zu sagen, dass es die Schweiz Wettbewerbsfähig macht, bin ich trotzdem immer wieder stolz zu sehen, wie gut die Schweizer Infrastruktur im Vergleich zu anderen Ländern abschneidet. Diesen Wettbewerbs- und Nutzenvorteil sollten wir nicht aufgeben. Wir mögen derzeit vielleicht 5G noch nicht zu 100% brauchen und nutzen, dennoch sollten wir nicht erst damit anfangen aufzurüsten, wenn wir es benötigen.
Hinweis: Für unsere Recherche rund ums Thema 5G holt sich «Techgarage» diverse Meinungen, Aussagen und Fakten von verschiedenen Herstellern, Anbietern und Meinungsvertretern ein. Swisscom hat sich bei unserer Anfrage kooperativ gezeigt, während unsere Anfrage zu einem Interview bei Sunrise bislang unbeantwortet blieb. Wir werden unsere Berichterstattung regelmässig mit den neuesten Entwicklungen und Meldungen updaten.

Facebook nutzt Benutzerdaten, um Rivalen zu bekämpfen und Freunden zu helfen

Facebook scheint es mit der Sicherheit von Daten sein Nutzer immer noch nicht ernst zu meinen. Wie ein geleaktes internes Dokument beweisen soll, das NBC News vorliegt, soll Mark Zuckerberg Nutzerdaten als Verhandlungsbasis nutzen, um freundlich gesinnte Unternehmen mit speziellen Zugängen zu belohnen und gleichzeitig feindlich eingestellte Firmen schlechter zu stellen.
Das fast 4'000 Seitige Dokument, zu dem E-Mails, Webchats, Präsentationen, Tabellenkalkulationen und Zusammenfassungen von Meetings gehören, zeigt, wie Zuckerberg zusammen mit seinem Vorstand und seinem Managementteam Wege gefunden hat, den Fundus an Benutzerdaten von Facebook – einschliesslich Informationen über Freunde, Beziehungen und Fotos – als Hebel gegenüber Unternehmen zu nutzen, mit denen er zusammenarbeitet.
In einigen Fällen belohnt Facebook bevorzugte Unternehmen, indem es ihnen Zugang zu den Daten seiner Nutzer gewährt. In anderen Fällen würde es konkurrierenden Unternehmen oder Anwendungen den Zugriff auf Benutzerdaten verweigern.

Amazon erhält mehr Nutzerdaten

Wie das Dokument zeigt, gewährte Facebook Amazon einen erweiterten Zugang zu Benutzerdaten. Dies, weil Amazon beim Start seines «Fire»-Smartphones viel Geld für Facebook-Werbung und eine enge Partnerschaft mit dem sozialen Netzwerk investierte.
Anderen Dienste wie zum Beispiel eine Messaging App, welche zu populär wurde, und somit als Konkurrenz gegenüber WhatsApp gesehen wurde, soll Facebook hingegen den Zugang zu Nutzerdaten gesperrt haben.

Lügt und betrügt Facebook nur noch?

Während dieses Dokument Daten aus mehreren Jahren aufweist, stellen wir uns die Frage, ob Facebook mit dessen Bemühungen für mehr Schutz unserer Daten nicht ganz die Warhreit sagt. Wenn man die jüngsten Ereignisse beachtet, stellt man fest, dass das Unternehmen versucht, einerseits an immer mehr Daten ranzukommen, jedoch gleichzeitig auch den Schutz dieser Daten nicht ernst genug zu nehmen scheint.
Die Dokumente zeigen, dass das Unternehmen im Gegensatz zu den öffentlichen Äusserungen von Facebook hinter den Kulissen mehrere Möglichkeiten entwickelt hat, um von Drittanwendungen eine Entschädigung für den Zugriff auf die Daten seiner Nutzer zu verlangen – darunter Direktzahlungen, Werbeausgaben und Vereinbarungen zum Datenaustausch. Obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass Unternehmen zusammenarbeiten, um Informationen über ihre Kunden auszutauschen, hat Facebook Zugriff auf sensible Daten, die viele andere Unternehmen nicht besitzen.
Ist es vielleicht wirklich Zeit, Facebook und Co. den Rücken zu kehren?

Biegt Samsung falsch? Galaxy Fold zeigt deutliche Falte im Screen

Das Jahr 2019 bringt wortwörtlich Bewegung in den Smartphone-Markt: Faltbare Smartphones scheinen momentan das ganz grosse Ding zu sein. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Hersteller Samsung und Huawei, die beide bereits ein entsprechendes Modell angekündigt haben – Samsung das «Galaxy Fold» und Huawei sein «Mate X».
Und während wir bei Techgarage bereits etwas «Hands-On»-Zeit mit dem Huawei Mate X verbringen durften, scheint Samsung seinen Galaxy Fold-Prototypen deutlich weniger freizügig zu zeigen. Nun ist aber auf YouTube über den Vlog «phoneoftime» ein kurzes Hands-On-Video aufgetaucht, bei dem der Klapp-Mechanismus des Samsung-Smartphones zu sehen ist.

Die Schwierigkeit des richtigen Biegens

Im Video wird klar ersichtlich, dass das Falt-Phone in der Mitte des Bildschirms eine deutlich erkennbare Falte aufweist. Das verwundert eigentlich nicht weiter, denn durch das technische Design des Geräts, bei dem der Bildschirm nach innen geklappt wird, entsteht beim Falten ein sehr enger Biegeradius. Das bedeutet, dass der Bildschirm dabei stärker strapaziert wird als bei einem Design wie dem Mate X, wo der Bildschirm die Aussenseite des Geräts einnimmt und somit über einen weiteren Radius gerollt wird.

Skizze Smartphone Falten Radius Screen
Die Herausforderung der Beugung: Bei einem Falt-Design nach innen ist der Biegeradius um einiges kleiner, was mehr Belastung für den Screen bedeutet.

Natürlich ist es jetzt noch zu früh, um Schlüsse über die Praxistauglichkeit der unterschiedlichen Designs zu ziehen. Festzuhalten ist aber, dass zumindest aus rein physikalischer Sicht ein engerer Biegeradius eine grössere Herausforderung für das Material darstellt.

Falt-Design: Samsung ist sich selbst noch nicht sicher

Ob Samsung mit dem Design des Galaxy Fold aufs richtige Pferd gesetzt hat, darüber scheint man sich sogar beim koreanischen Konzern noch nicht ganz sicher zu sein. Deshalb soll Samsung laut einem Insider-Bericht noch an weiteren Designs tüfteln.
Klar sind hingegen die Ansagen der Manager der zwei Konkurrenten: Auf der einen Seite Huawei, wo CEO Richard Yu behauptet, sein Unternehmen hätte das nach innen klappbare Design ebenfalls getestet, sich dann aber letztendlich dagegen entschieden. Auf der anderen Seite zitiert «gsmarena» den Entwicklungsschef von Samsung mit der Aussage, mit ihrer Variante sei der Bildschirm besser vor Schlägen und Kratzern geschützt.
Denkbar, dass im Rennen um das alltagstauglichste Klapp-Design noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Techgarage-Meinung: Huawei zeigt mehr Mut als Samsung

Huawei zeigt momentan mit seinem Mate X auf jeden Fall deutlich mehr Selbstbewusstsein als Samsung mit seinem Galaxy Fold. Dass uns das Unternehmen aus China sein Vorserien-Modell des Mate X bereits zum ausprobieren in die Hände gelegt hat, spricht Bände: Huawei scheint überzeugt zu sein, mit seinem Entwurf eines faltbaren Smartphones richtig zu liegen. Und wie uns Europa-Chef Walter Ji im Interview erklärt hatte, ist die Firma auch zuversichtlich, dass das Gerät den täglichen Strapazen gewachsen ist.
Samsung hingegen hüllt sich momentan noch in einen Mantel des Schweigens, was die Langzeit-Belastbarkeit seines Galaxy Fold angeht. Unbestritten ist, dass die Koreaner aber ihr Quality Management nach dem Galaxy Note 7-Vorfall nochmal stark aufgerüstet haben. Deshalb können wir uns nicht vorstellen, dass Samsung mit dem Galaxy Fold irgendwelche Experimente eingeht. Und wenn sich zeigen sollte, dass das Design den Langzeit-Test nicht besteht, dürfte die betroffene Zielgruppe nicht so gross sein, denn es wird erwartet, dass zumindest zu Beginn nur eine sehr limitierte Anzahl an Galaxy-Fold-Geräten zur Auslieferung bereitsteht.

Huawei P30 (Pro): Wie Huawei seine Kamera-Krone verteidigen könnte

Während Huaweis «Mate»-Serie als Flaggschiff-Geräte der Oberklasse gelten, zieht das chinesische Unternehmen auch mit seiner P-Serie viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Smartphones P20 und P20 Pro, die letzten Frühling vorgestellt wurden, richten sich vornehmlich an ein Lifestyle-bewusstes Publikum, denn die Modelle zeichnen sich durch auffällige Gehäuse-Farben und erstklassige Foto-Aufnahmen aus.

Das Huawei P20 Pro erreichte wegen seiner starken Kamera-Leistung sogar den Spitzenplatz auf der DxOMark-Skala. Es erzielte dank «erstklassiger Ergebnisse» 109 Punkte in der Wertung, während sein jüngeres Geschwistermodell, das Mate 20 Pro, die gleiche Punktzahl erreichte. In der Folge verlieh DxOMark dem Mate 20 Pro denn auch den Spitznamen «Dreifach-Kamera-Monster».

Doch ausruhen darf sich Huawei auf diesen Lorbeeren nicht: Das diese Woche vorgestellte Galaxy S10+ erreicht ebenfalls den momentanen Höchstwert von 109 DxOMark-Punkten und zieht somit mit den Huawei-Modellen gleich. Weiteres Ungemach droht durch aufstrebende Hersteller wie Oppo, die ihrerseits Smartphone-Prototypen mit Giga-Zoom präsentieren.

Während sich also mit dem kommenden Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar und dem traditionellen «P-Monat» März ein weiterer Jahres-Zyklus schliesst, stellt sich nun die Frage: Wie könnte sich Huawei möglicherweise noch einmal selbst übertreffen – und die DxOMark-Führung in diesem Jahr verteidigen?

Huawei zoomt sich an neue Auszeichnung heran

Als Huawei letztes Jahr das P20 Pro mit drei Kamera-Objektiven vorgestellt hatte, war dies definitiv eine Neuheit in der Welt der Smartphones. Anstatt diesen Meilenstein um eine vierte Kamera zu ergänzen, wäre ein verbessertes Drei-Kamera-Setup im Modelljahr 2019 vielleicht empfehlenswerter.

Zwar hatte Walter Ji, Europa-Chef von Huawei, in einem Interview bereits angekündigt, dass man sich für 2019 auf vier Kameras einstellen solle. Eine vierte Linse wäre also beim P30 Pro durchaus denkbar, könnte aber auch erst bei einem neuen Huawei-Smartphone im weiteren Verlauf des Jahres eingeführt werden.

Huawei P30 Pro Confirmed Front
Schmaler Bildschirmrand, minimale «Notch»: So stellen wir uns das P30 Pro in der Front-Ansicht vor.

Wovon man mit Sicherheit ausgehen kann, ist eine Verbesserung der Huawei-Kameras auf der Zoom-Ebene. Bei der Vorstellung des P20 Pro Ende März 2018 war Huawei – und insbesondere Huawei-Geschäftsführer Richard Yu – sehr stolz auf die Zoom-Funktionen seines neuen Smartphones: Mit einem 3-fach optischen, 5-fach «Hybrid»- und 10-fachen Digitalzoom konnten sogar kleine Details aus der Ferne aufgenommen werden und machten das P20 Pro zu einem grossartigen Gerät für Aufnahmen bei einer Fotosafari.

Im Oktober 2018 beeindruckte uns Huawei mit dem Mate 20 Pro, das über ein Weitwinkelobjektiv mit einem Zoomfaktor von 0,6 verfügt. Dieses eignet sich für das Fotografieren in engen Räumen wie zum Beispiel in Clubs oder der Lieblingskneipe; nicht zu vergessen die fantastischen Nacht-Aufnahmen.

Kamerazoom: Erhalten wir das Beste aus beiden Welten?

Wäre es also undenkbar, dass Huawei die Zoom-Funktionen der beiden Smartphone-Highlights aus 2018 in einem neuen P30 Pro vereint? Wir gehen davon aus, dass der zweitgrösste Smartphone-Hersteller der Welt seine Zoom-Fähigkeiten noch weiter entwickelt hat: Wie klingt also ein 5-facher optischer Zoom, 10-facher «Hybrid»-Zoom und ein unglaublicher 30-facher (oder gar 50-facher) Digitalzoom gepaart mit dem 0,6-fachen Zoom für Innenaufnahmen?

Huaweis Europa-Chef hatte im oben angesprochenen Interview bereits verraten, dass man sogar an einem zehnfachen Zoom forsche. Würde es deshalb noch jemanden überraschen, wenn Huawei dieses Jahr ebenfalls mit einem 5x- oder gar 10x- optischem Zoom auftrumpfen würde?

Wie sähe eine Kameralinse mit Giga-Zoom aus?

Ein 5x-Zoom sollte heutzutage – vor allem durch den Technologieführer Huawei – machbar sein. Denn ein anderer chinesischer Hersteller – Oppo – brachte einen funktionierenden Prototypen zum MWC 2017 mit, wie die Technik-Nachrichtenseite «The Verge» berichtete.

Und dieses Jahr hat Oppo  wortwörtlich nachgedoppelt: Am 23. Februar hat der Hersteller auf dem «Oppo Innovation Event 2019» in Barcelona ein noch namenloses Smartphone mit eingebauter optischer 10x-Zoomfunktion vorgestellt.

Oppo Lossless 10x Zoom
Oppos «verlustfreie» 10x-Linse ist zwar auffällig eckig, aber sorgt offenbar für gute Zoom-Resultate.

Ist Huawei hier also daran, mit einer ähnlichen Zoom-Karte aufzutrumpfen? Auf Twitter hat Huawei kürzlich ein Video gepostet, das zumindest diese Vermutung nährt. Zunächst werden dem Zuschauer in dem Teaser-Film Fotomotive aus der Ferne gezeigt, an die dann mit extremer Vergrösserung heran gezoomt wird, um bestimmte Details aus unmittelbarer Nähe zu erfassen. Wenn Huawei hier auf das P30 Pro anspielt, könnte das Gerät ein wahres Zoom-Wunder werden.

Sonstige Eigenschaften des neuen Flaggschiffs

Die Smartphones der P30-Reihe werden vermutlich mit dem im Mate 20 verbauten Kirin-980-Prozessor laufen. Davon geht auch das Magazin «t3» aus. Ausserdem erwarten wir, dass der Fingerabdruck-Sensor zumindest beim P30 Pro unter dem Display verschwinden wird. Diese Konstruktion kennen wir schon vom Mate 20 Pro.

Huawei P30 Pro Fingerprint Reader
Auch bei der neuen P30-Serie erwarten wir den Fingerabdruck-Scanner wieder unter dem Bildschirm.

Die Aussparung für die Frontkamera im Display wird vermutlich die Form eines Wasser-Tropfens haben. Der Verzicht auf eine breite Notch liegt im Trend. Der P30-Pro-Bildschirm hat idealerweise ein 19,5:9-Format. Beim P30 gehen wir von 16:9 aus.

Die Gerüchte verdichten sich, wonach die Hauptkamera eine Auflösung von 40 Megapixeln erreichen wird; ausserdem soll Huawei bei der Frontkamera des P30 Pro auf die 3D-Gesichtserkennungs-Technologie setzen, dank der dann nicht nur der Bildschirm entsperrt werden könnte, sondern zum Beispiel auch Zahlungs-Autorisierungen möglich wären.

Wann wird das Huawei P30 Pro vorgestellt?

Es ist unwahrscheinlich, dass Huawei die P30-Serie Ende Februar auf dem MWC in Barcelona zeigen wird. Denn für die MWC-Pressekonferenz am 24. Februar (Ab 14:00 Uhr MEZ) hat Huawei bereits die Vorführung seines ersten faltbaren Smartphones angekündigt.
Ausserdem wird auf Huaweis Twitter-Konto @HuaweiMobile der 26. März 2019 als Datum für die Vorstellung der neuen Huawei-P30-Serie in Paris genannt. Eine Vorabpräsentation auf dem MWC würde die Spannung bis zum P30-März-Event herausnehmen. In den Geschäften werden die neuen Oberklasse-Smartphones vermutlich im April 2019 zu kaufen sein.

Huawei und die künstliche Intelligenz: Zwischen Hype, Hoffnung und Hokuspokus

Die Ansage verspricht viel: Huawei will die berühmte «unvollendete Symphonie» von Schubert mit Hilfe von künstlicher Intelligenz endlich zu Ende geschrieben haben. 197 Jahre lang war das Stück nämlich unvollendet geblieben, da der Komponist nur knapp drei Sätze geschrieben hatte, bevor er sich der 9. Symphonie zuwendete. Bis zu seinem Tod 1828 blieb die 8. Symphonie unvollendet.
Nun wartete das vollendete Oeuvre darauf, in der traditionsreichen Cadogan Hall in London erstmals einem Publikum vorgespielt zu werden. «Techgarage» wurde Anfang Februar von Huawei nach London eingeladen, um sich das Stück anzuhören.
Natürlich waren die Erwartungen hoch: Kann ein Computer die menschliche Improvisationsgabe imitieren? Werden wir den Unterschied zwischen Schuberts Genie und KI-Komponist bemerken? Und wird unsere Musik künftig durch Algorithmen definiert, statt dass sie von menschlichen Komponisten auf Papier gebracht wird?
Um dies realistischer einschätzen zu können, müssen wir aber erst einmal einige Eckwerte definieren:

Wann ist Intelligenz «künstlich»?

Wenn sich die Tech-Gemeinde in einem Punkt einig ist, dann darin, dass künftig die meisten Geräte über eingebaute «künstliche Intelligenz» – KI – verfügen werden. Ein Device ohne KI wird künftig so isoliert sein wie heutzutage ein Mobilgerät ohne Mobilfunk- oder Bluetooth-Verbindung.
Und wenn noch in einem Punkt Einigkeit herrscht, dann darin, dass man noch kein Konzept davon hat, wie man dem Nutzer KI anpreisen möchte – geschweige denn, einer breiten Nutzerbasis die Vorteile und Arbeitsweise dieser vielgepriesenen Technologie zu erklären.
Das liegt in der Natur der Sache: Denn «künstliche Intelligenz» gibt es in diesem Sinne noch gar nicht. Wir haben bloss unsere Computer darauf trainiert, einige Programmzeilen schnell und effizient zu wiederholen. Alles, was ein Computerchip bisher macht, ist, Teile des menschlichen Genies zu reproduzieren – und manchmal sogar leicht abzuändern. Eindrücklich bewiesen wurde das bei Googles «Deep Mind»-Projekt, bei dem die «Alpha Go»-Software sich selbst so lange im klassischen Brettspiel «Go» trainierte, bis sie genügend Datenpunkte gesammelt – und damit ihren Algorithmus verbessert hatte – um auch gegen die besten menschlichen Spieler zu bestehen. Und hier fängt die Grenze an, zu verschwimmen: Wenn ein Computer mittels «Machine Learning» beginnt, seine Algorithmen selbständig zu verändern und zu verbessern, um künftig eine Aufgabe effizienter zu erledigen: Können wir dann schon von künstlicher Intelligenz reden?

Huaweis Vision der künstlichen Intelligenz

Nun aber zurück in den Gadget-Alltag: Ein Unternehmen, das sich in den letzten Monaten stark mit dem Begriff «AI – Artificial Intelligence» positioniert hat, ist Huawei. Nach dem Motto «Fake it ‘til you make it», schreckt der chinesische Elektronikhersteller nicht davor zurück, seine Geräte und Dienste mit einer Portion vermeintlicher «KI» zu optimieren. Die Vision wird dabei klar kommuniziert: «Huawei believes in the power of AI, bringing technology and human expertise together to push the boundaries of what is humanly possible.» Also, «mit einer Verschmelzung von Technologie und menschlicher Kompetenz die Grenzen des Möglichen neu zu definieren».

Bilder werden besser mit KI

Begonnen hat Huawei mit KI bei der Optimierung von Bildern, die Nutzer mit ihren Smartphones aufnehmen. Zu diesem Zweck fand 2017 mit dem Mate 10 erstmals eine NPU – eine «Neural Processing Unit» – den Weg in ein Huawei-Handy. Der Chip sollte dabei die Rechenleistung beisteuern, damit das Gerät erkennen konnte, welche Objekte sich auf einem Bild befinden. Entsprechend wurden dann Kamera-Einstellungen automatisch angepasst: Bei einer Landschaftsaufnahme wurde der Himmel blauer eingefärbt, die Farben bei einem Sushi-Foodpic stärker hervorgehoben oder ein Portraitbild automatisch optimiert, wenn ein Gesicht erkannt wurde.
Huawei spann die Geschichte weiter und baute für den Mobile World Congress 2018 zu Demonstrationszwecken ein Auto so um, dass dieses umgehend bremste oder das Steuer herumriss, wenn es durch die Kamera des Mate 10 Pro die Umrisse eines Hundes, Fahrrads oder anderen Gegenstandes auf einer Teststrecke wahrnahm. Weitergeführt wurde die KI-Bilderkennung danach in den darauf folgenden Modellen wie dem Huawei P20 (Pro) oder jüngst im Huawei Mate 20 Pro, das in unserem Test exzellent abgeschnitten hat.

KI als Gebärdensprache-Dolmetscher?

Im Winter 2018 zeigte Huawei mit «Story Sign» dann ein weiteres Einsatzgebiet ihrer angeblichen KI: Die App sollte durch die Kamera im Smartphone Texte in Kinderbüchern erkennen und diese über einen Avatar in Gebärdensprache übersetzen.Damit würde das Erlernen dieser essentiellen Sprache für gehörlose Kinder und deren Familien vereinfacht.
Impliziert wurde dabei, dass ein Grossteil der Übersetzungsarbeit durch den Huawei-eigenen Algorithmus übernommen würde.
Huawei StorySign Beispiel
Und wäre es in Zukunft gar möglich, jegliche Texte durch die Handykamera zu übersetzen? Klar ist: Gebärdensprache ist komplex, kennt grosse regionale Unterschiede und passt sich jeweils auch dem Kontext der Erzählung an. Deshalb ist auch eine Simultanübersetzung zum jetzigen Stand der Technik nicht möglich: Was Huaweis Software stattdessen momentan noch macht, ist einen bestimmten Textblock im Buch zu erkennen und dazu die passende, abgespeicherte Avatar-Aufnahme abzuspielen. Denn jede neue Publikation muss momentan noch durch menschliche Dolmetscher übersetzt werden.
Das hat zur Folge, dass im deutschsprachigen «StorySign»-Katalog bisher auch drei Monate nach dem Launch im Dezember 2018 erst ein Titel verfügbar ist: «Peter Hase: Ein Guckloch-Abenteuer». Auf Anfrage bestätigt die Huawei-Presseabteilung in der Schweiz, dass weitere Titel bereits in Vorbereitung seien. Von einer künstlichen Intelligenz – die ja bekanntlich nie ruht – hätten wir uns aber trotzdem ein Bisschen mehr Produktivität und Ausdauer erwartet.

Der KI-Komponist von Huawei

Und nun – an diesem nebligen Februarabend in London – soll mit der Vollendung der berühmten «Unfinished Symphony» ein weiteres Kapitel aufgeschlagen werden: Denn Improvisationsgabe ist noch immer ein heiliger Gral bei der Entwicklung von KI. Und genau beim Komponieren eines klassischen Musikstücks ist diese Gabe besonders gefordert.
Wie also gedenkt der Handyhersteller dies umzusetzen?
Gleich zu Beginn der Veranstaltung in der altehrwürdigen Cadogan Hall werden denn auch die Erwartungen etwas gedämpft: Das Stück, das wir bald zu hören bekommen, wurde nicht 1:1 von einem smarten Chip auf einem Handy geschrieben. Vielmehr wurden dem Huawei-Algorithmus Schuberts Takte der ersten beiden Sätze der «8. Symphonie» so lange vorgespielt, bis der Machine Learning-Algorithmus ein Muster in Klangfarbe, Tonfrequenz und Takt gefunden hatte – ähnlich, wie Huawei seine «Master AI»-Bilderkennung trainiert.
Basierend darauf entwickelte der Algorithmus weitere verwandte Tonkombinationen und Melodien. Diese wurden daraufhin vom bekannten Komponisten und Emmy-Gewinner Lucas Cantor ausgewertet, wobei die passendsten Tonstücke übernommen und von ihm händisch zu einer Komposition zusammengefügt wurden, die von einem klassischen Orchester gespielt werden konnte.
Entsprechend gibt auch Huawei zu, dass dies nicht die «definitive» oder «abschliessende» Version der Symphonie sei, sondern vielmehr «eine einzigartige Variante» aus dem Zusammenspiel von KI-Technologie, kombiniert mit menschlicher Expertise.
Als Journalist mit Tech-Hintergrund erlaube ich mir hier kein Urteil zur Qualität der gespielten Version. Kenner von klassischer Musik zeigten sich vom Resultat – besonders vom vierten Satz – aber relativ unbeeindruckt, einige nannten das Resultat «Filmmusik» und beschrieben es als «scheppernd» und auch dem ungeübten Zuhörer fielen die akustischen Parallelen zu einer «James Bond»-Verfolgungsjagd viel eher auf als die einer logischen Fortsetzung der ersten beiden Sätze.

Fazit: «Fake it ‘til you make it»

Dass Huawei mit ihren Geräten und Diensten grosses leistet, will ich nicht abstreiten. Die Firma aus Fernost bringt frischen Wind in einen gesättigten Markt und rüttelt am Status Quo, der von bisherigen Smartphone-Herstellern gesetzt wurde. Dass KI dabei im Zentrum ihrer Anstrengungen steht, ist für die künftige technische Entwicklung auch absolut zentral. Momentan aber wird der Begriff der «künstlichen Intelligenz» von Huawei noch sehr freizügig und mit einer gewissen künstlerischen Freiheit gebraucht, denn Machine Learning findet auf Mate 20 Pro und Co. offenbar noch nicht konsequent statt.
Dass der Einsatz von Machine Learning und künstlicher Intelligenz laufend hilfreicher für den Nutzer wird, steht ausser Frage. Nur braucht der Algorithmus bei Huawei momentan noch sehr viel menschliche Unterstützung – und das spricht zum jetzigen Zeitpunkt mehr für das personelle Talent, das der chinesische Technologiekonzern zusammenbringen kann, als für seine Fortschritte im Feld der künstlichen Intelligenz.
 
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Sollte öffentliche Gesichtserkennung verboten werden?

Im Stadtrat von San Francisco (USA) wurde eine Verordnung vorgeschlagen, durch die staatliche Gesichtserkennungs-Massnahmen verboten werden sollen. «Techgarage» hat die Argumente, die für und gegen Gesichtserkennung im öffentlichen Raum sprechen, zusammengetragen und kommt zu einer eindeutigen Antwort auf die Frage, ob diese neue Technik verboten werden sollte.

Wo Gesichter bereits gescannt werden

Es gibt unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten der Gesichtserkennungs-Technologie. Sie wird zum Beispiel bei Apples neuesten iPhones zur Entsperrung des Gerätes genutzt oder zur Autorisierung von Zahlungen.
An öffentlichen Orten wird Gesichtserkennung unter anderem zum Aufspüren von Kriminellen eingesetzt. In Moskau werden bereits tausende Kameras genutzt, über die die Gesichter von Passanten mit Personen abgeglichen werden, die von der Polizei gesucht werden. Auch in Grossbritannien gleicht die Polizei selbst angefertigte Beobachtungslisten mit Aufnahmen aus Gesichtserkennungs-Kameras ab.
Am Flughafen Zürich werden ebenfalls schon Gesichter über Kameras identifiziert – allerdings nur zur Passkontrolle. In Deutschland nutzt unter anderem die Hamburger Polizei einen automatisierten Gesichts-Abgleich, um Personen zu suchen, die man im Rahmen der Ausschreitungen beim G20-Gipfel per Video aufgenommen hat. Sowohl der Hamburgische Datenschutzbeauftragte als auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz in Deutschland halten diese «biometrische Auswertung von Videomaterial» jedoch für rechtswidrig, da noch keine Rechtsgrundlage dafür existiere.
Gesichtserkennung kann des Weiteren zur Analyse eingesetzt werden. In China sei bereits im öffentlichen Raum mit Gesichtserkennungs-Kameras experimentiert worden, um in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz vorherzusagen, ob sich jemand an die Regeln halten werde oder nicht. Ausserdem würden in China auch politische Aktivisten mit Hilfe von Gesichtserkennungs-Massnahmen gesucht.

Pro Gesichtserkennung

Als Argument für die Nutzung von Gesichtserkennungs-Technik im öffentlichen Raum wird ins Feld geführt, dass dies dem Bürger diene, da die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden erleichtert würde. In Zeiten von Terrorismus und organisierter Kriminalität hat das auch eine gewisse Überzeugungskraft. Des Weiteren könne die Sicherheit im Strassenverkehr verbessert werden, indem Verkehrsdelikte besser aufgeklärt werden könnten, werben australische Behörden für den Einsatz der neuen Technologie.
In einem aktuellen Aufsatz der Wissenschaftszeitschrift «MIT Technology Review» werden weitere Pro-Argumente für Gesichtserkennung zitiert. Danach würde mitunter behauptet, die Technik könne genauer arbeiten als Menschen. Das Sicherheitspersonal eines Flughafens könne müde werden, ein Computer nicht. Ein weiterer Vorteil der Technik sei ihre Unparteilichkeit: Ein Gesichtserkennungs-System könne daher mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz besser als die Polizei einschätzen, ob jemand verdächtig sei.

Contra Gesichtserkennung

Die Nicht-Regierungs-Organisation «Human Rights Law Centre» warnt, Studien hätten aufgezeigt, dass Gesichtserkennungs-Technologie das Risiko der Diskriminierung bestimmter Ethnien begünstige. Denn in diesen Studien sei herausgekommen, dass Gesichtserkennungs-Systeme eine Vorliebe für diejenige Ethnie hätten, die in dem Gebiet, in dem das System entwickelt worden sei, vorherrschend sei. Gegenüber ethnischen Minderheiten gäbe es überproportional viele Fehlermeldungen, wodurch Angehörige dieser Minderheiten von der Polizei häufiger untersucht und überwacht werden könnten, da das System keine einwandfreie Identitätsfeststellung durchführen konnte. Auch sei denkbar, dass bestimmte Personengruppen mangels korrekter Erfassung durch Gesichtserkennungs-Systeme daran gehindert sein könnten, einer Beschäftigung nachzugehen. Gleiches gelte für den Zugang zu Krediten, Versicherungen oder anderen Leistungen.
In der Studie «Gender Shades», die unter Leitung der Forscherin Joy Buolamwini vom «MIT Media Lab» durchgeführt wurde, sei im Jahr 2018 herausgekommen, dass das Gesichtserkennungs-System von IBM bei dunkelhäutigen Frauen eine 34,4 Prozentpunkte höhere Fehlerquote gehabt habe als bei hellhäutigen Männern. Das System von Microsoft schnitt mit 20,8 Prozentpunkten Unterschied am besten ab; die Gesichtserkennung Face++ wies eine Differenz von 33,7 Prozentpunkten auf.
In Bezug auf das von Amazon entwickelte System sei die Nicht-Regierungs-Organisation «ACLU» (American Civil Liberties Union) zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht-weisse Personen häufiger falsch identifiziere als weisse.
Laut der «MIT Technology Review» bestünde das Problem darin, dass Gesichtserkennungs- und Analysesysteme nicht mit repräsentativen Datensätzen trainiert würden. Das verwendete Material würde viel weniger Fotos von Frauen und Personen mit dunkler Hautfarbe enthalten als Bilder von Männern und Personen mit heller Hautfarbe. Mit diesen Ungleichheiten würden in der Gesellschaft bestehende Ungerechtigkeiten über Gesichtserkennungs- und Analysesysteme aufrechterhalten und bei längerem Einsatz sogar noch verschärft.
Es habe zwar mittlerweile Verbesserungen an den angesprochenen Systemen gegeben, wie deren erneute Überprüfung durch Buolamwinis Team in diesem Jahr gezeigt habe. Zwei neu aufgenommene Systeme, eines von Amazon und eines von Kairos, schnitten allerdings ähnlich schlecht ab wie die anderen drei überprüften Systeme im Jahr 2018. Vermutlich werden Amazon und Kairos die kritischen Forschungsergebnisse dazu nutzen, ihre Systeme zu überarbeiten, um sie von Diskriminierung zu befreien.
Selbst die fairste und genaueste Gesichtserkennungs-Software könnte aber eingesetzt werden, um bürgerliche Freiheiten zu beeinträchtigen, wie es in der «MIT Technology Review» heisst. Als Beispiel wird etwa der Versuch Amazons genannt, seine Gesichtserkennungs-Technologie an die US-amerikanische Sicherheitsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) zu verkaufen, um damit illegale Migranten im öffentlichen Raum aufzuspüren. Die Nachrichtenseite «Daily Beast» berichtete darüber. Das Problem: Die ICE-Behörde sei dafür bekannt, auch medizinische Einrichtungen zu überwachen, um Illegale zu überführen. Wenn vor diesen Einrichtungen permanent Kameras liefen, deren Aufnahmen in Gesichtserkennungs-Systeme eingespeist würden – von Amazon oder einem anderen Anbieter – wäre es für die Betroffenen unmöglich, an diesen Orten medizinische Behandlungen in Anspruch zu nehmen.
Als weiteres Beispiel für eine mögliche Beeinträchtigung von Bürgerfreiheiten durch den Einsatz von Gesichtserkennungs-Technologie beruft sich die «MIT Technology Review» auf eine Recherche der Nachrichten-Organisation «The Intercept». Danach habe IBM Zugang zu Filmmaterial aus den Überwachungskameras der New Yorker Polizei gehabt und habe seine Technik damit dahingehend entwickelt, die Ethnizität an Hand von Gesichtern festzustellen. Anschliessend sei die IBM-Technologie in öffentlichen Überwachungskameras getestet worden. Die New Yorker Bürger seien über diesen Test nicht informiert gewesen.
Cynthia Wong von der Menschenrechts-Organisation «Human Rights Watch» argumentiert, dass durch eine polizeiliche Überwachung von öffentlichen Räumen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gefährdet sei. Man stelle sich vor, dass die Polizei Fotos von einer Demonstration in das System einspeisen würde, um Informationen über die Teilnehmer herauszufinden. Dies hätte eine abschreckende Wirkung auf Menschen, die auf dem Wege des öffentlichen Protestes ihre Meinung kundtun möchten.
Das Forschungsinstitut «AI Now» von der Universität New York warnt in seinem Jahresbericht 2018 unter anderem vor der sogenannten Affekterkennung. Diese Unterkategorie der Gesichtserkennung soll angeblich in der Lage sein, die Persönlichkeit einer Person zu erkennen sowie Gefühle, die geistige Gesundheit oder etwa wie sehr sich ein Mitarbeiter bei seiner Arbeit einbringt. Da diesem Zweig der Gesichtserkennungs-Technologie keine ausreichenden wissenschaftlichen Forschungen zu Grunde liegen würden, wäre ihre Anwendung etwa bei der Vergabe von Versicherungen, Arbeits- oder Ausbildungsplätzen sowie in der Polizeiarbeit hoch riskant.
In China hätten softwaregestützte Vorhersagen anhand von Datenmaterial aus Überwachungskameras, Krankenakten oder etwa Bankaufzeichnungen bereits zu Verhaftungen von Verdächtigen geführt, berichtete «Human Rights Watch» letztes Jahr.

Fazit

Verhaltens-Vorhersagen durch Künstliche Intelligenz in Verbindung mit Gesichtserkennung sind höchst problematisch. Die Menschen werden total verunsichert, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten sollen. Wer versucht, sich unauffällig zu verhalten, könnte sich eben dadurch verdächtig machen. Der Staat muss verhindern, dass eine Technologie jeden Bürger grundsätzlich als potentiellen Kriminellen verdächtigt, sagt auch Cynthia Wong von «Human Rights Watch».
Google habe sogar den Verkauf seiner Gesichtserkennungs-Technologie eingestellt, bis sichergestellt sei, dass die Technik nicht missbraucht werden könne. Um eine sichere Technik zu erhalten, brauche es «algorithmische Gerechtigkeit», sagt Joy Buolamwini in der «MIT Technology Review»: «Ohne algorithmische Gerechtigkeit kann algorithmische Genauigkeit/ technische Fairness KI-Tools schaffen, die als Waffe benutzt werden können.»
Selbst in Fällen, in denen die Gesichtserkennungs-Technik nur zum Abgleich von Fotos eingesetzt wird – ohne eine Verhaltens-Vorhersage zu unternehmen – sollte die Technik angesichts der mitunter hohen Fehlerquoten verboten werden, um die Diskriminierung von bestimmten Personenkreisen zu verhindern. Erst wenn sichergestellt ist, dass die Fehleranfälligkeit Richtung Null tendiert, wäre die Technologie reif für den Einsatz.

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